21 . Jahrgang (1 995), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft Ansätze zur Behebung des Kapitalangebotsmangels in Entwicklungsländern. Die Zeit nach der Schuldenkrise Roland Mestel, Karl Steininger " The widening gap between the developed and the developing coun­ tries has become a central issue of our time " (1) . Mit dieser Feststellung beginnt ein von der Weltbank in Auftrag gegebener Bericht, der im Jahr 1969 von einer internationalen Expertengruppe unter der Leitung des ehemaligen kanadischen Außenministers Lester Pearson verfaßt wurde und der sich mit der damaligen Situation in den Entwicklungsländern und den Resultaten von zwei Jahrzehnten Entwicklungshilfe beschäftig­ te (= Pearson-Bericht) . Seit jener Zeit hat sich die Situation für die Entwicklungsländer kaum verbessert; im Gegenteil: die Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt ist in den meisten Fällen noch größer geworden. Auch die zunehmende Internationalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen konnte den mei­ sten Entwicklungsländern bislang nicht zu einer Beschleunigung ihres Entwicklungsprozesses verhelfen; wenn man die Ursachen und Auswir­ kungen der Verschuldungskrise der achtziger Jahre untersucht, kommt man sogar zu der Schlußfolgerung, daß gerade diese zwischen den armen und reichen Staaten intensivierten Wirtschaftsbeziehungen in Form steigender Mittelzuflüsse in die Staaten des Südens ein Hauptverursa­ cher für die Depression, in der sich viele Entwicklungsländer seit dieser Krise befinden, waren. Um zu verhindern, daß sich zahlreiche Länder in Mittel- und Südame­ rika, Süd- und Südostasien und vor allem Afrika noch stärker der Si­ tuation wirtschaftlicher Unterentwicklung und damit verbundener Ar­ mut der Masse der Bevölkerung gegen übersehen, erscheint die Erfüllung folgender drei Hauptbedingungen notwendig: die Verfolgung einer soli- 139