21 . Jahrgang (1 995), Heft 1 aus strukturschwachen Regionen war ihre Hauptfolge. Ausnahmen in Richtung expliziter Regionalpolitik bildeten seit 1930 Fördermaßnah­ men zugunsten von Bergbauern, die 1956 noch durch eine Förderung von Berggebieten ergänzt wurden. Seit Ende der fünfziger Jahre wurde der bundesstaatliche Finanzausgleich stärker auf Berggebietsförderung ausgerichtet. 2. Ab 1974 orientierte man sich primär an der Verbesserung der Standort­ faktoren. Die Wende zu expliziter Regionalpolitik erfolgte auf Grund­ lage eines gesamtwirtschaftlichen Entwicklungskonzeptes, des Inve­ stitionshilfegesetzes 1974 sowie er­ sten raumplanerischen Maßnahmen des Bundes. Zentraler Aspekt dieser Politik war der Ausbau der Infra­ struktur in förderungswürdigen und entwicklungsfähigen Regionen (Wachstumskerne) . Dieser Phase entsprach in Österreich die Politik der dezentralen Konzentration. 3 . Ab 1978 begann in der Schweiz eine Phase arbeitsplatzorientierter Re­ gionalpolitik, deren Ziel vor allem darin bestand, "direkter auf das einzelbetriebliche Kalkül Einfluß zu nehmen, gefährdete Arbeitsplätze zu erhalten oder neue zu schaffen" . Elemente dieses Politikmusters wa­ ren daher die Gewährung von Darlehen und Bürgschaften, die Er­ teilung staatlicher Beschaffungs­ aufträge sowie Dezentralisierungs­ ansätze in der Bundesverwaltung. In Österreich wurde in den letzten Jahren durch journalistische und politische Polemiken der Eindruck zu erwecken versucht, als ob der Österreichische wirtschaftspoliti­ sche "Weg" der siebziger Jahre ein Einzelfall oder gar Irrweg gewesen wäre. Interessanterweise hat aber in dieser Periode auch ein Land, des­ sen Wirtschaft nahezu ausschließ­ lich in privatem Eigentum ist, eine durchaus ähnliche regionalwirt­ schaftliche Politik betrieben. Wirtschaft und Gesellschaft 4. Ungefähr zeitgleich mit Österreich wurde etwa 1 980 auch in der Schweiz eine innovationsorientierte Regionalpolitik eingeleitet. Im Sin­ ne der Erhaltung internationaler Wettbewerbsfähigkeit für die Schweizer Volkswirtschaft wurde betriebliche Innovationsfähigkeit besonders bedeutsam. Förderung von Prozeß- und Produktinnovatio­ nen stand hierbei im Mittelpunkt. Die Autoren der Studie weisen aber - trotz aller Übereinstimmung mit den analytischen Grundlagen dieser Politik - darauf hin, daß seither ei­ gentlich nur recht "bescheidene in­ novationsfördernde Maßnahmen" ergriffen wurden. Unter beträchtlichem Einsatz von Finanzmitteln wurden im Laufe der Jahre ausdrückliche regionalpolitische Fördermaßnahmen durchgeführt: etwa die Investitionshilfe für Berggebiete (IHG 1974), die Finanzierungshilfen zugunsten wirtschaftlich bedrohter Regionen ("Bonny-Beschluß" 1978), das Bundesgesetz über die Gewährung von Bürgschaften und Zinskasten­ beiträgen in Berggebieten (1976) , die Förderungen im Rahmen des Hotel­ und Kurortkredites (1966), die Verbes­ serung der Wohnverhältnisse in Berg­ gebieten (1951), der Erlaß zur speziel­ len Förderung der Berg-, Land- und Forstwirtschaft (seit den zwanziger Jahren). Diese Fördermaßnahmen er­ faßten bis zu 90 Prozent der Schweizer Fläche sowie ungefähr 65 Prozent der Bevölkerung (OECD 1991). In der vorgelegten Arbeit werden auch verschiedene Evaluationsstudien zur Schweizer Regionalpolitik (u. a. NFP "Regio" , die Untersuchung der OECD von 1991 , das Manifest der ROREP aus 1992 , zwei Untersuchun­ gen zum "Bonny-Beschluß") zusam­ menfassend dargestellt. Die positiven, aber auch negativen Ergebnisse dieser Bilanzierungen er­ innern in vielem auch an vergleichbare Wirkungsstudien für Österreich: 199