Wirtschaft und Gesellschaft baren Nachkriegszeit. Die Arbeit be­ ruht einerseits auf der Auswertung einschlägiger Literatur nach dem letz­ ten Stand, aber auch auf eigenen Beiträgen. So repräsentieren die Da­ ten über Volumen und Länderstruktur des Österreichischen Außenhandels 1 9 19 eine wichtige, neue quantitative Information über die Phase. Nautz untersucht zunächst die wirt­ schaftliche Ausgangslage nach dem 1. Weltkrieg. Welches ökonomische Ge­ wicht kam dem heutigen Bundesgebiet im Rahmen der österreichisch-ungari­ schen Monarchie zu? In welcher Weise wurde die Österreichische Republik von den Friedensverhandlungen in St. Germain betroffen? In der Folge beschäftigt sich der Autor mit den "Problemzonen der Österreichischen Nachkriegswirtschaft" ; er analysiert die Ernährungslage, die Kohleversor­ gung, die Situation der Industrie, den Zusammenbruch des Verkehrswesens, die Inflation, vor allem aber die Politik der Banken, deren Aktivitäten ja die Entwicklung der Österreichischen Wirtschaft während der ganzen Zwi­ schenkriegszeit - in negativer Weise ­ nachhaltig beeinflussen sollte. Abgeschlossen wird dieser Abschnitt mit einer Untersuchung von Volumen und Struktur des Österreichischen Au­ ßenhandels in dieser Phase, und hier er­ weist sich folgendes: Trotz des Zerfalls der Monarchie und vielfältiger Han­ delshemmnisse bleibt der Außenhan­ delsanteil der Nachfolgestaaten domi­ nierend. Auf sie entfallen gut die Hälfte der Ausfuhren und fast ebensoviel der Einfuhren. Demgegenüber fällt der Außenhandel mit den anderen -wesent­ lich kaufkräftigeren - Nachbarn, wie Deutschland und der Schweiz, wesent­ lich ab. Daraus erhellt die Bedeutung der politisch-historischen Determinan­ ten gegenüber den ökonomischen. Bemerkenswert bleibt freilich die relativ höherer Bedeutung Deutsch- 208 21. Jahrgang (1 995), Heft 1 lands in der unmittelbaren Nach­ kriegszeit, die in der Folgezeit wieder zurückging; ein Phänomen, das noch zu verfolgen wäre. Entscheidend für die Österreichische Wirtschaftsent­ wicklung wurde allerdings, daß das Außenhandelsvolumen dramatisch zurückging. Nautz weist darauf hin, daß dafür in den unmittelbaren Nach­ kriegsjahren Produktionsbeschrän­ kungen im Inland (mangelnde Roh­ stoffe und Energie) maßgebend gewe­ sen sein dürften - im Lichte der späte­ ren, gedämpften Entwicklung scheint das allerdings nur ein Faktor unter mehreren gewesen zu sein. Nach dieser ökonomischen Ein­ leitung entwickelt Nautz die Leit­ linien der damaligen Österreichischen Außenpolitik, in welcher sich der realitätsbezogene Renner gegenüber dem ideologieverhafteten Bauer durchsetzte. Verbalen Anschlußbe­ kundungen zum Trotz wurde sehr früh eine Politik der Annäherung an die Nachfolgestaaten betrieben. Na­ türlich diktierten in erster Linie die Notwendigkeiten des Außenhandels diese Politik. Letztlich führte dieser Kurs deshalb zum Erfolg, weil die Notwendigkeiten von allen Beteilig­ ten, einschließlich der Siegermächte, erkannt wurden. Dieser Prozeß wird vom Autor auf der Basis eigener Archivarbeit detail­ liert beschrieben, wobei er eine Fülle interessanter Einzelheiten zutage för­ dert. Insgesamt hat Nautz einen wich­ tigen Beitrag zu einer Periode der Österreichischen Wirtschaftsgeschich­ te geleistet, für welche wenige Publi­ kationen vorliegen. Dem Leser wird einmal ein umfassender Überblick über die ökonomischen Abläufe gebo­ ten, weiters aber eine intensive und kenntnisreiche Analyse des Außen­ handels wie der Außenhandelspolitik ­ ein wertvolles Buch. Felix Butschek