Wirtschaft und Gesellschaft 21. Jahrgang (1995), Heft 3 Ganz wesentlich wird es nun von der Annahme über die Beschaffenheit des Schocks (siehe auch weiter unten) und der Kapitalmobilität abhän­ gen, welches Wechselkursregime als optimal anzusehen ist. Ist der Schock - wie oben angenommen - temporärer Natur, handelt es sich um nichts anderes als eine intertemporale Konsumentscheidung (beschränkt durch Solvabilitätsgrenzen der privaten und öffentlichen Verschuldung). Ein zweiter Fall, indem die interregionale Kapitalmobi­ lität Disparitäten beseitigen könnte, ließe sich als Aufholprozeß ärmerer Regionen beschreiben (15). Sind diese bereit, über Kapitalimporte ein Kapitalbilanzdefizit einzugehen - sprich sich zu verschulden - könnte die Verschuldung durch den Ertrag aus verstärkten Investitionen in Realkapital (in Erwartung steigenden Wachstums und steigender Rendi­ ten) finanziert werden. Wiederum ließe sich in einer Welt ohne Währungsrisiko die Beschränkung "Außenwirtschaftliches (monetäres) Gleichgewicht" zugunsten Beseitigung regionaler Disparitäten zeitlich limitiert aufheben, um so einen Teil des Anpassungsdruckes über Kapi­ talimporte zu mildern. Ausschlaggebende Größen für die Kapitalmobilität sind Wechselkurs­ risiko und Transaktionskosten, worunter die Geld/Brief-Differenz (16) und Kapitalverkehrskontrollen fallen. Von der Art des Wechselkursregi­ mes ist die Kapitalmobilität also in mehrfacher Weise bestimmt. Während die Unterscheidung der Auswirkungen fixer vs. flexibler Wechselkurse kaum näherer Erläuterungen bedarf, ist die Unterschei­ dung irreversibel fixierter Wechselkurse (oder einer Einheitswährung als Spezialfall eines solchen) und eines Systems fixer Wechselkurse, das Realignments zuläßt, insbesondere dann relevant, wenn man auf die Un­ terscheidung kurz- und langfristiger Mobilität Wert legt. Transaktions­ kosten und Wechselkursrisiko bleiben im letzteren Fall für langfristige Investitionen weiter bestehen. Denn weder Sicherungsinstrumente, die meist nur bis zu einer Frist von einem Jahr und nur für liquide Währungsmärkte (sprich Märkte "großer" Währungen) existieren, noch das Fehlen von Kapitalverkehrskontrollen können die Kosten für lang­ fristige Investitionen senken, sehr wohl aber die für kurzfristige Kapi­ talbewegungen, was zwar eine Konvergenz kurzfristiger Zinsen und hoch mobiles Arbitragekapital vermuten läßt, aber zu einer nicht unbe­ dingt erwünschten Mobilität - um nicht zu sagen Nervosität - des kurz­ fristig orientierten Kapitals ("hot money") führt, während in der langen Frist wenig ausgleichende Wirkung zu erwarten ist, ja sogar von einer Verzerrung der Märkte von langfristigen zu kurzfristigen Kapitalbewe­ gungen auszugehen ist - mit entsprechender Wirkung auf die Realinve­ stitionen. Zur Messung dieser unterschiedlichen Kapitalmobilität könnten für den kurzen Bereich (bzw. den eher der Finanzsphäre als realen Investi­ tionen zuzurechnenden Investitionen) Zinsparitäten bzw. für den realen Bereich die Korrelation zwischen Sparen und Investition herangezogen werden. Emerson et al. (17) zeigen in einer nach Frankel (18) berechne­ ten Analyse die Relationen in der EG 1982-1988. 4 1 1