Wirtschaft und Gesellschaft IBM, ODER: WIE SCHWER SICH EIN KOLOSS MIT SCHNELLEN ENTSCHEIDUNGEN TUT Rezension von: Charles H. Ferguson, Charles R. Morris, Computerschlach� ten - �berlebensstrategien in der weltweit wichtigsten Industrie, Campus Verlag, Frankfurt/Main, 298 Seiten, �S 531 ,-. Das vorliegende Werk erschien 1993 mit dem Titel "Computer Wars" in den USA, 1994 in der �bersetzung von Margit Popp und mit einem Nachwort von Susanne M�ller-Zantop in Euro� pa. Es ist kein wissenschaftliches Werk, sondern beruht auf der offen� sichtlich umfassenden Kenntnis der Autoren �ber die Computerindustrie in Amerika und einer F�lle von Inter� views, anhand derer die Autoren die Geschichte rekonstruieren und in der Folge eine optimale Gewinnstrategie f�r die Computerunternehmen zu ent� wickeln versuchen. Etwas abweichend vom Titel steht �ber weite Strecken des Buches IBM im Mittelpunkt, vor allem die Ent� scheidungen im Zusammenhang mit dem PC-Bereich. Alle anderen Markt� teilnehmer werden quasi vor diesem Hintergrund behandelt. Aber es tut dem Buch keinen Ab� bruch, seine Botschaft an dieser - im erz�hlerischen Sinn des Wortes - Ge� schichte "aufzuh�ngen" . Beim Lesen wird man im Nu in die faszinierende, aufregende und spannende Welt der schnellstlebigen Branche unserer In� dustriegesellschaft versetzt. Man meint, direkt von den Entscheidungen oder Unterlassungen der handelnden Personen betroffen zu sein und steht - angeregt durch die scharfsinnigen Analysen der beiden Autoren - der 476 21. Jahrgang (1995), Heft 3 F�lle von Fehlentscheidungen diverser IBM-Manager fassungslos gegen�ber. Die beiden Autoren beherrschen ihren Stoff und verstehen ihn auch faszinierend zu erz�hlen. Nicht um� sonst gelten sie in Amerika zu den f�hrenden Analytikern der Hochtech� nologiebranche und bet�tigen sich er� folgreich als Berater vieler westlicher Spitzenunternehmen und Autoren mehrerer B�cher. Ferguson und Morris analysieren die Entwicklung unter folgenden Annah� men: Nach ihren Angaben besch�ftigt die Computerindustrie in den USA mehr als 400.000 Menschen und setzt weltweit mehr als 200 Mrd. US-Dollar um, die Elektronikindustrie insgesamt �brigens rund 800 Mrd. US-Dollar. Sie gehen davon aus, da� die Compu� terindustrie aber nicht nur ein enorm wichtiger Bereich ist. Ferguson und Morris - und dar�ber l��t sich wohl trefflich streiten - meinen dar�ber hinaus, da� die gesamte Wettbewerbs� f�higkeit eines Landes von der Lei� stungsf�higkeit seiner Computerindu� strie abh�ngt: "Ein Versagen bei Com� putern bedeutet ein Versagen auf allen Gebieten. " Meiner Ansicht nach ist das eine �bertriebene Sicht der Bedeutung die� ser Branche und eine Untersch�tzung der Bedeutung der globalen Welthan� delsvernetzung, aber auch von globa� ler technologischer Vernetzung, Tech� nologietransfer und Technologiedif� fussion. Dies ist eine ebensolche �ber� sch�tzung eines bestimmten Sektors wie die einiger �sterreichischer Exper� ten, die meinen, die �sterreichische Wettbewerbsf�higkeit wird vorrangig von einer verst�rkten Teilnahme �sterreichs an diversen Raumfahrt� programmen bestimmt. Nun aber zum eigentlichen Inhalt des Buches. Es gliedert sich in drei gro�e Teile, die in sich in mehrere Ka� pitel unterteilt sind. Vom logischen Aufbau her beginnt man beim Beson� deren ("Der Niedergang von IBM") und leitet vornehmlich anhand dieses