Wirtschaft und Gesellschaft 22. Jahrgang (1 996), Heft 1 Genauso wie eine Bank bei Zahlungsverzug prohibitive Verzugszinsen vorschreibt wäre das auch für den Staat angemessen. 7. Zusammenfassung Im Beobachtungszeitraum 1988-1996 werden die unverteilten Gewin­ ne der Kapitalgesellschaften nach der jüngsten WIFO-Prognose um 95 Prozent steigen, die hier untersuchten Unternehmenssteuern vom Ertrag und vom Vermögen werden aber nach der neuesten Steuerschätzung des BMfF nur um 38 Prozent zunehmen und sogar unter den Wert des Jah­ res 1992 zurückfallen. Zum Vergleich dazu: das Lohnsteueraufkommen wird trotz mehrerer Steuersenkungen in diesem Zeitraum um fast 50 Prozent steigen. Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß im interna­ tionalen Vergleich das Belastungsniveau der Gewinne mit Ertrags- und Vermögensteuern in Österreich ohnedies niedrig ist. Sie ist durch exzes­ sive Steuergestaltungsmöglichkeiten mitverursacht, die durch das kom­ binierte Ausnützen von Bestimmungen aus den Steuergesetzen der letz­ ten Jahre zustande gekommen sind. Einige dieser Gestaltungen wurden im Text beschrieben. Dabei handelt es sich oft nicht um das Ausschöpfen volkswirtschaftlich sinnvoller Begünstigungen, sondern um echte Steu­ erschlupflöcher. Da diese Steuererosion von der Erhöhung einiger Kostensteuern (ins­ besondere von lohnahhängigen Abgaben) begleitet war, wurde im Endef­ fekt für den Industriestandort Österreich nichts gewonnen, sondern die gesamte Entwicklung hat nur zu einer Verbilligung des Faktors Kapital und zu einer Verteuerung der Produktionsfaktoren Arbeit und Energie geführt. Die Aufzählung der Ertragssteuerleistung zahlreicher konkreter Un­ ternehmen, die für 1994 eine durchschnittliche Ertragssteuerbelastung von 15 ,9 Prozent der Jahresüberschüsse vor Steuern ausweist, gibt einen Eindruck der tatsächlichen Belastungssituation österreichischer Unter­ nehmen. Zwei Drittel der Körperschaften zahlen überhaupt keine Kör­ perschaftsteuer oder nur die Mindestkörperschaftsteuer von S 15.000,-. Das Volumen der Umsätze in der Schattenwirtschaft kann derzeit auf etwa 100 Mrd. S eingeschätzt werden, was allein einen Ausfall an Um­ satzsteuer und veranlagter Einkommensteuer von etwa 40 Mrd. S be­ deutet. Dazu kommt noch, daß der Österreichische Fiskus mit einem Vo­ lumen vollstreckbarer Steuerschulden von 24 Mrd. S konfrontiert ist. Das alles trägt zusätzlich zur niedrigen Gewinnsteuerbelastung bei. Es ist notwendig, die völlig verfehlte Vorstellung über Bord zu werfen, daß man über ein Vermögens- und Gewinnsteuerdumping Industrie­ standorte retten kann, und dieses ideologische Vorurteil durch konkrete Vorstellungen einer offensiven Beschäftigungspolitik zu ersetzen. Die Steuerpolitik kann dazu nicht den Hauptbeitrag leisten. Jedenfalls ist es aber nötig, in der Steuerpolitik grundsätzlich umzudenken und die Pro- 82