22. Jahrgang (1996), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft ten zehn Jahren zu einer komplexen, multi-instrumentellen und mit anderen Politikfeldern (Bildung, Aus- und Weiterbil­ dung, Verkehr, Telekommunikation, u. a.) teilweise verknüpf­ ten Materie entwickelt. Insofern liegt die Entwicklung in Österreich im europäischen und im internationalen Trend. Ein gewisser Aufholbedarf besteht bei der Einstellung von Förde­ rungswerbern und -institutionen auf die Anforderungen der EU-Programme. Die industriepolitische Diskussion weist in Österreich zwei markante Besonderheiten auf: Problemstel­ lungen, die seit den fünfziger Jahren immer wieder, wenn auch unter wechselnden Vorzeichen und äußeren Gegebenheiten, diskutiert wurden und die gerade in jüngster Zeit neuerlich virulent geworden sind. Es handelt sich um die Frage der Un­ ternehmensgrößenstruktur und die Eigentümerproblematik. Dominanz des Mittelbetriebs Die Größenstruktur der Industrieunternehmungen ist in Österreich durch ein Überwiegen von im internationalen Maß­ stab mittleren und kleineren Unternehmungen charakterisiert, während große, insbesondere multinationale Unternehmungen mit Konzernzentrale in Österreich fehlen. Daß dies keineswegs auf die Kleinheit des Landes zurückzuführen ist, zeigt ein ein­ facher Vergleich mit Ländern wie der Schweiz, den Niederlan­ den, Schweden oder Finnland, die alle über solche Großunter­ nehmungen verfügen. Überwiegend wurde dieses Merkmal lange Zeit als Nachteil für die Österreichische Wirtschaft ange­ sehen, etwa im Hinblick auf die Präsenz auf internationalen Märkten, die weit größere Schwierigkeit der Erschließung neu­ er Märkte im Ausland, beim Zugang zu den Aktienmärkten, bei der Forschung und Entwicklung. Die wenigen Versuche im Bereich der verstaatlichten Industrie, solche Konzernunter­ nehmungen aufzubauen (VOEST-Alpine, später Austrian In­ dustries), scheiterten unter hohen finanziellen Verlusten. Diese vieldiskutierte "Strukturschwäche" der Österreichi­ schen Wirtschaft steht allerdings seit langem im Widerspruch zu der im Vergleich zu den OECD-Ländern überdurchschnitt­ lichen Performance der Österreichischen Wirtschaft und unse­ rer Industrie. Wenn ohne die viel zitierten "Flaggschiffe" eine solche Entwicklung möglich war, muß die These von der "Strukturschwäche" in dieser Hinsicht generell in Frage ge­ stellt werden. Die starke Betonung der Rolle von Klein- und Mittelunternehmungen ("KMU") in den Analysen, in den wirtschaftspolitischen Strategien und in den Förderprogram­ men der EU würden eher den Schluß nahelegen, daß die Do­ minanz der KMU eine Stärke und nicht eine Schwäche der Österreichischen Wirtschaft ausmacht. Weder empirisch noch 333