22. Jahrgang (1996), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft schlossen zu sein, die muß nur in den Gesamtplan sinnvoll eingefügt werden. " (10) Wirtschaftsplanung im Sambartsehen Verständnis bedeu­ tet Koordinierung der verschiedenen Interventionen und regulierenden Aktivitäten des Staates und der kollektiven regulierenden Aktivitäten der Unternehmungen durch eine zentrale Behörde. "Echte" Wirtschafts­ planung muß nach Sambart folgende drei Bestimmungen enthalten: 1 . Umfassendheit; Planung einzelner Teile der Wirtschaft ist nicht aus­ reichend, der Plan muß die Wirtschaft als Ganzes umfassen. 2 . Einheitlichkeit; die verschiedenen Teile des Planes müssen miteinan­ der konsistent sein, die administrativen Einheiten dürfen einander in ihren Aktionen bei der Durchführung des Planes nicht widersprechen. 3 . Mannigfaltigkeit; die Planung muß die Mannigfaltigkeit und Vielfäl­ tigkeit des modernen Wirtschaftslebens angemessen berücksichtigen, sowohl diejenige des Produktionssystems als auch der Konsumenten­ wünsche. In gewissem Sinne ist die Einführung der Planwirtschaft nur der letz­ te, wenngleich wichtige Schritt im Zuge der Entwicklung von der freien Wirtschaft zur "gebundenen Wirtschaft" . Die Selbstregulierung der Wirtschaft durch Kartelle, Monopolisierung ganzer Branchen der Indu­ strie, die Organisierung der Arbeitskräfte in den Gewerkschaften und andere Faktoren haben zur Einführung verschiedenster Formen staatli­ cher Kontrolle und Lenkung geführt, während die Entwicklung der zwi­ schenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen nach dem Ersten Weltkrieg zu einer wesentlichen Intensivierung der Staatsintervention im internatio­ nalen Bereich geführt haben. Planwirtschaft ist für Sambart eine Methode, die zukünftige Bahn der Entwicklung des Wirtschaftssystems nach dem frei bestimmten Willen des Menschen zu gestalten. "Für den ,Sprung aus dem Reich der Not­ wendigkeit in das Reich der Freiheit' brauchen wir nicht auf den Kom­ munismus zu warten" , sagt Sambart am Beginn seiner Schrift "Zukunft des Kapitalismus" . ( 11 ) 2. Landwirtschaft und internationale Arbeitsteilung Auf den ersten Blick erscheint Sambarts Prognose einer Reagrarisierung Europas, d. h. eines steigenden Anteils der Landwirtschaft an den Erwerbs­ tätigen und an der Bevölkerung, im Lichte der späteren Entwicklung als äußerst schwer verständlich. Man kann sich kaum eine Vorhersage vorstel­ len, welche durch die nachfolgende Entwicklung krasser widerlegt worden wäre. Man muß sich in Erinnerung rufen, daß zu jener Zeit, als Sambart seinen Zürcher Vortrag hielt, der Anteil der Landwirtschaft an den Er­ werbstätigen in der Schweiz 25 Prozent, in Deutschland 30 Prozent, in Frankreich 38 Prozent und in Italien sogar 50 Prozent betrug. Gegenwärtig liegt er in allen diesen Ländern deutlich unter 10 Prozent (12). Und doch - wenn man die Angelegenheit in ihren verschiedenen Teil­ aspekten betrachtet - hatte Sambart nicht in jeder Hinsicht unrecht, et- 389