22. Jahrgang (1996), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft BERICHTE UND DOKUMENTE Ausbildung und Beschäftigung von jungen Erwachsenen in der Bundesrepublik Deutschland Stand und Perspektiven beruflicher Integrationsforschung (1) GISELA WESTHOFF Ausbildung und eine qualifizierte Berufstätigkeit stehen nach wie vor im Zentrum des Interesses junger Men­ schen. Seit Mitte der siebziger Jahre ist die Bildungsbeteiligung kontinu­ ierlich gestiegen. Geburtenstarke Jahr­ gänge, Ausbildungsplatzmangel und in jüngster Zeit drastische Personal­ einsparungen im Zuge von Rationali­ sierungen in den Betrieben haben aber dazu geführt, daß es zunehmend schwieriger wird, Ausbildungs- und Berufswünsche zu realisieren. Das gilt vor allem für die junge Generation, die einerseits einen hohen Qualifizie­ rungsstand erreicht hat und anderer­ seits bei dem Versuch, im Arbeitsleben "Fuß zu fassen" , mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert wird. Sie trifft der umfassende Personalab­ bau in der deutschen Industrie in be­ sonders hohem Ausmaß. Im Zentrum dieses Beitrages steht die berufliche Integration junger Men­ schen unter den gegenwärtigen Bedin­ gungen. Ausgewählt wurde die Grup­ pe, die eine berufliche Ausbildung im dualen System absolviert. Hierbei handelt es sich um einen Ausbildungs­ bereich, der in Deutschland derzeit pro Jahrgang etwa zwei Drittel der Ju­ gendlichen qualifiziert. Der Beitrag befaßt sich vorrangig mit den Über­ gangsprozessen nach Abschluß der Ausbildung, der Überwindung der "zweiten Schwelle" ins Erwerbsle­ ben {2). Da jedoch die beiden "Schwel­ len" nicht isoliert voneinander zu be­ trachten sind, werden auch Hinweise auf Forschungsergebnisse über die Si­ tuation an der "ersten Schwelle" so­ wie einige Eckdaten zum dualen Sy­ stem vorangestellt. 1. Das duale System der beruflichen Bildung im Spiegel der Zahlen Den Stellenwert der dualen Berufs­ bildung im gesamten Bildungssystem in Deutschland spiegeln die folgenden Eckdaten wider: - 67% eines Altersjahrgangs beginnen eine Ausbildung im dualen System; die durchschnittliche Ausbildungs­ dauer beträgt 2 ,8 Jahre. - 600.000 Betriebe bilden aus, davon beschäftigen zwei Drittel weniger als 50 Mitarbeiter. - Das Durchschnittsalter zu Beginn der Ausbildung beträgt 18 Jahre. - 10-15% der Jugendlichen besuchen nach der Ausbildung eine Hoch­ schule oder Fachhochschule. Die Kosten der Ausbildung tragen die Betriebe selbst. Nach deren Anga­ ben liegen sie zwischen 3 .000 und 20 .000 DM pro auszubildender Person jährlich (3) . Die Unterschiede werden vor allem erklärt durch - das Verhältnis zwischen systemati­ scher Ausbildung und der Ausbil­ dung am Arbeitsplatz, - das Ausbildungspersonal (Teilzeit­ oder Vollzeitausbilder) , - die Ausbildungsvergütung. 423