23 . Jahrgang ( 1 997), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft einer Außenhandelsöffnung ein Vergleich des Nutzens von unterschied­ l ichen Personengruppen (den jeweiligen Faktoreignern) notwendig. Um interpersonelle Nutzenvergleiche zu vermeiden , wird daher wie üblich das Paretakriterium angewandt. Es wird also gefragt, ob sich durch d ie Außenhandelsöffnung zumindest e in Tei lnehmer besserstellt, ohne d ie anderen schlechter zu stel len . Dies ist eindeutig nicht der Fall . Wie wir oben gesehen haben, verlieren die Eigentümer des relativ knapperen Faktors Einkommen und werden daher schlechter gestellt. Wir stellen daher die abgeschwächte Frage nach potentiellen Paretoverbesserungen. Wir fragen also, ob d ie Gewinne des Außenhan­ dels ausreichen, um durch Umverteilung die Verl ierer zu kompensieren und dennoch die Gewinner gegenüber der Autarkiesituation besser zu stellen? Da die Produktion in den einzelnen Sektoren fal lende Skalenerträge aufweist (2), ist d ie gesamtwirtschaftl iche Produktionsmöglichkeitenmenge konvex (3), und damit ist dieser Ausgleich möglich. Die Idee hinter diesem Ergebnis ist wiederum sehr einfach. Zunächst g i lt es festzuhalten, daß die Autarkieallokation auch unter Freihandel nach wie vor eine mögliche Allokation darstellt. Weiters findet internatio­ naler Handel nur dann statt, wenn die Länder unterschiedliche Relativ­ preise haben . Daraus folgt, daß jedes Land durch die Außenhandelsöffnung in der Folge von jedem Gut mehr konsumieren kann. Güter, in denen es einen komparativen Nachteil hatte, können nunmehr günstiger aus dem Ausland bezogen werden und mit den freiwerdenden Ressourcen können Güter produziert werden, in denen es einen komparativen Vorteil hat. Da auch in d iesem Modell von der Vollbeschäftigungsannahme ausge­ gangen wird , also alles was produziert wird auch konsumiert wird und da insgesamt mehr Güter vorhanden sind , ist es möglich , diesen Vorteil so zu verteilen, daß alle Beteil igten mehr konsumieren können als vorher (4). Im Gegensatz zum vorigen Modell ist in d iesem Modell der Freihandel nur potentiell paretoverbessernd, da er mit einer entsprechenden Um­ vertei lungspolitik verbunden werden kann , d ie alle besser stellen würde. Ein Punkt auf den später noch eingegangen werden wird . Die zweite Frage kann in diesem Modell verneint werden. Es kommt zu keinem Ausgleich der Faktorentlohnungen durch den GüterhandeL So­ bald es mehr Faktoren als Güter gibt, ist die Faktorentlohnung nicht mehr eindeutig durch die Weltmarktpreise determiniert (5). ln diesem Modell gibt es für jedes der Güter einen spezifischen Faktor und zusätzlich noch einen mobilen Faktor. Die Anzahl der Faktoren ist also um eins größer als d ie Anzahl der Güter, damit ist der Ausgleich der Faktorpreise nicht mehr gegeben. Diese Feststel lung ist insofern angebracht als sie zeigt, daß die in öf­ fentl ichen Diskussionen immer wieder angeführte Angleichung der Löhne 3 1 3