23. Jahrgang ( 1 997), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft I nteressant ist, daß ein Unterschied in den Reaktionen auf fal lende Relativpreise zwischen Sektoren mit geringer Wettbewerbsintensität und jenen hoher Wettbewerbsintensität festgestellt wurde. 3.4.1 Kritik Der wesentliche Kritikpunkt an d ieser Studie ist die unglückliche Wahl des zugrundeliegenden Model ls. Die durchgeführten Untersuchungen hätten besser anhand eines spezifischen Faktorenmodells mit firmenspe­ zifischen Qualifikationen betrachtet werden sollen. Einerseits wären dann die I nterpretationen, welche von Mobil itäts­ problemen als Ursache für kurzfristig steigende Arbeitslosigkeit sprechen sinnvol ler anzuwenden , andererseits könnte die unglückliche Zwangs­ aggregation von völl ig divergenten Sektoren ( Computerzubehör und Holz­ industrie) vermieden werden . Darüber hinaus sind gerade die sehr starken Aussagen des HO-Modells Eigenschaften eines al lgemeinen Gleichge­ wichts. Die Betrachtung der kurzen Zeiträume läßt aber eher eine Über­ gangssituation vermuten . Gerade das spezifische Faktorenmodell hätte dabei den Vorteil , daß die partialanalytische Betrachtung ein iger Sektoren nicht im Widerspruch zur Entwicklung im al lgemeinen Gleichgewicht d ie­ ses Modells steht (vgl . Samuelson zit. in Jones-Neary (1 984), S 25). Daß Effekte angeführt wurden welche zwar die Position niedrig Qualifi­ zierter verschlechtern , darüber h inaus jedoch nicht untersucht werden, führt unter Umständen zu einem vorschnellen Freispruch der Handels­ verflechtungen als mögl iche Ursache der Arbeitsmarktprobleme d ieser Gruppe. Die nicht vorhandene Verbindung eines Außenhandelsmodells mit ei­ nem Arbeitsmarktmodell welches Arbeitslosigkeit zuläßt, kann den Auto­ ren nicht vorgeworfen werden , da es für d iese Frage noch keine bewähr­ ten theoretischen Antworten gibt. Die Forderung nach ausreichenden Unterstützungen zur Steigerung der Mobil ität der Arbeitskräfte, welche die Autoren der OECD formulieren, hat allerd ings im Gegensatz zur Forderung nach einer Umverteilungspolitik kein theoretisches Fundament. 3.5 Österreichische Untersuchungen 3.5.1 Kohler Die Untersuchung von Kohler ist nicht unmittelbar auf d ie Auswirkun­ gen des internationalen Handels auf den Arbeitsmarkt konzentriert. Er stellt vielmehr die Frage, welche Konsequenzen unterschiedliche Libera­ lisierungen des Außenhandels für Österreich haben. Methodelogisch ist diese Untersuchung deshalb interessant, weil sie ein quantifiziertes und berechenbares al lgemeines Gleichgewichsmodell (22) des Welthandels verwendet. 329