Wirtschaft und Gesellschaft 23. Jahrgang ( 1 997), Heft 3 Theoretischer Ausgangspunkt ist das spezifische Faktorenmodel l , wo­ bei Kapital sektorspezifisch , Arbeit h ingegen intersektoral mobil ist. Die Betrachtung der kurzfristigen Effekte, wie sie weiter oben bereits als mög­ liche Interpretation dieses Modells beschrieben wurde, wird in diesen Be­ rechnungen dadurch weiter betont. Die Ausgaben bzw. das für den Kon­ sum zur Verfügung stehende Einkommen werden nämlich nicht endogen modell iert. Entweder bleiben die nominalen Ausgaben fixiert, oder die Ausgaben werden so angepaßt, daß Vollbeschäftigung erhalten bleibt. Das erstere Szenario ist insofern interessant, als in diesem Fal l , sofern auch die Nominallöhne fixiert werden, unfreiwil l ige Arbeitslosigkeit auftre­ ten kann. Letzteres Szenario ist interessant, weil dabei die sektoralen Kon­ sequenzen des Außenhandels besser dargestellt werden können. Sofern die Nominalgrößen konstant gehalten werden, können in diesem Modell auch reale Effekte der Wechselkurse auftreten , welche in einem durchgehend walrasianischen Modell n icht zustande kommen können. Inwieweit dies zusätzliche Realitätsnähe oder inkonsitente ad hoc Annah­ men darstellt, bleibt offen. Von den Einschränkungen der Validität, welche bereits Kohler angibt, sollen h ier nur die wesentlichsten wiedergegeben werden . Das Modell wird in einer l inear approximierten Version berechnet. Damit können eigentl ich nur infin itesimal kleine Änderungen logisch kohärent berechnet werden. Bei großen Veränderungen muß gehofft werden, daß die l ineare Approximation nach wie vor h inreichend genau ist. Der Grund dieses Vergehens ist der um Größenordnungen geringere Rechenauf­ wand bei l inearer Approximation im Vergleich zur Lösung der nichtlinearen Systeme. Die I nput-Output-Tabellen, welche dem Modell zugrundeliegen, stam­ men für die USA aus dem Jahr 1 978, für Österreich aus dem Jahr 1 976. Länder, für die keine 1-0-Tabellen zur Verfügung stehen, werden mit der amerikanischen 1-0-Tabelle modelliert. Die Tatsache , daß europäische Wirtschaften gegenseitig keine Zölle berechnen, kann ebenfalls nur näherungsweise und unter vereinfachen­ den Annahmen modell iert werden . Kohler berechnet vier hypothetische Liberal isierungsszenarios: die Reduktion von Zöllen im Gefolge der Tokio Runde des GATT, die vollstän­ dige Abschaffung aller nach der Tokio Runde noch vorhandenen Zölle , die El imination von nicht tarifären Handelshemmnissen, sowie zuletzt die Einbeziehung des Textil- und Landwirtschaftssektors in die Liberalisie­ rung. Die von Kohler ausgewiesenen aggregierten Arbeitsmarkteffekte sind nicht überwältigend hoch. Er errechnet bei der Abschaffung von allen Zöl­ len und n icht tarifären Handelshemmnissen einen Arbeitskräftereal­ lokationsbedarf von 0 ,61 % bis 2 ,6% der Arbeitskräfte (23). Die beiden Zah lenwerte kommen abhängig von der Behandlung der europäischen Freihandelsabkommen zustande. Dieser sehr moderate Anpassungsbedarf am Österreichischen Arbeits- 330