Wirtschaft und Gesellschaft 23 . Jahrgang (1 997), Heft 3 zen . Sie hatten nur einen Lohnwachstumsverlust von ca. 1 ,8% Punkten . Außerdem waren sie auch in der Lage den Exporteffekt besser zu nutzen und sie hatten einen Lohnzuwachsgewinn von ca. 0 ,8%-Punkten bei ei­ nem Anstieg der Exporte nach Osteuropa um einen Prozentpunkt. Die Tatsache, daß die Löhne stärker reagierten als die Beschäftigung, rückt Österreich nach Meinung der Autoren, eher näher an die von Krugman als amerikanisches Szenario bezeichnete Situation , als an jene, die er als europäische bezeichnet. Der Grund für die sehr moderaten Effekte die hier gefunden werden, dürfte einerseits im nach wie vor geringen Anteil des Osthandels am Öster­ reichischen Außenhandel liegen und andererseits in den massiven Handelsbilanzüberschüssen, die Österreich während dieser Periode ge­ genüber Osteuropa erzielen konnte. Für unsere Fragestel lung ist al lerdings interessant, daß die Last der An­ passung im wesentlichen auf einzelnen Gruppen wie gering qualifizierten, jüngeren und älteren Arbeitnehmern l iegt. 3.5.6 Kritik an Aiginger/Winter-Ebner/Zweimüller Interessant wäre die Einbeziehung von Frauen in die Untersuchung einerseits, da gerade im Textilbereich , welcher schon über längere Zeit unter den Folgen der Außenhandelsöffnung leidet, viele Frauen arbeiten, und andererseits aufgrund der beobachteten überdurchschnittlichen Belastung der schwächeren Gruppen am Arbeitsmarkt auch mit einer stärkeren Belastung von Frauen zu rechnen ist. Die Verwendung von Mengendaten führt, wie bereits oben angeführt, zu einer falschen Einschätzung des Effektes. Es sei zum Beispiel angenom­ men, daß die Mengen überhaupt nicht reagieren: ln d iesem Fal l hätten d ie Österreichischen Firmen um sich von der Importkonkurrenz zu schützen, die Preise bereits auf das Niveau Osteuropas gesenkt. Am Österreichi­ schen Arbeitsmarkt würden dann, obwohl massive Folgen mit der Ost­ öffnung verbunden waren, keine Änderungen der Importmengen festzu­ stellen sein. Ein weiterer Nachteil ist, daß in d iesem Modell d ie Verdrängungseffekte auf Drittmärkten nicht berücksichtigt werden. Positiv muß jedoch angemerkt werden, daß es durchaus unwahrschein­ lich ist, daß Preise derartig schnell reagieren. Sobald ein geringer Men­ geneffekt gleichzeitig mit einem großen Preiseffekt auftritt, werden den Mengeneffekten höchstwahrscheinlich auch die Auswirkungen der Preis­ anpassung zugerechnet. Die von den Autoren gezogene Schlußfolgerung, daß eine EU Ost­ erweiterung keine desaströsen Auswirkungen auf d ie westeuropäischen Arbeitsmärkte hätte, sollte weiter eingeschränkt werden. Über die Ein­ schränkung der Autoren bezüglich der nach wie vor geschützten Land­ wirtschaft und der durch freiwil l ige Beschränkungen geschützten Sekto­ ren hinaus, möge auch angemerkt werden, daß in der gegenständlichen 334