23 . Jahrgang ( 1 997), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 4. Das Konzept der Beschäftigungsgesellschaft 4.1 Institutionelle Rahmenbedingungen der Arbeitsmarktpolitik Die Entwicklung des Konzeptes der BGen in Österreich ist vor dem Hin­ tergrund längerfristiger Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt als auch in der Arbeitsmarktpolitik zu sehen. Anfang der neunziger Jahre wurden vom Sozialministerium in Zusammenarbeit von Arbeitsmarktverwaltung (AMV) und Österreichischer Studien- und Beratungsgesellschaft (ÖSB) erste Modelle entwickelt. Dabei orientierte man sich sehr stark an internationa­ len Vorbi ldern , v.a . aus Deutschland. Bereits 1 992/93 wurden erste Kon­ zepte für Wien und Graz erarbeitet, deren Umsetzung aber letztlich an Finanzierungsfragen scheiterte . Hingegen kam es Mitte der neunziger Jahre in der von Arbeits losigkeit stark betroffenen Obersteiermark zur Gründung von BGen in Eisenerz ( 1 994 ), Liezen und Bruck (beide 1 996) sowie der ÖKO-Service GmbH in Graz ( 1 994) . Daß die Steiermark hier eine Vorreiterrolle übernommen hat, ist kein Zufall . Sie ist in erster Linie in der verschärften Arbeitslosigkeitsproblematik dieses Bundeslandes und auch in der innovativen Tradition des steirischen Arbeitsmarktservice be­ gründet (32). Die wesentlichen Konzeptelemente des arbeitsmarktpolitischen I nstru­ mentes ''BG" sind vor dem Hintergrund zu sehen, daß die Österreichische Arbeitsmarktpol itik in den neunziger Jahren doch eine deutliche politische und institutionelle Umgestaltung erfahren hat. Durch den Privati­ sierungsdruck und die damit verbundene Legitimationskrise der staatl i­ chen Arbeitsmarktverwaltung kam es zur Schaffung des Arbeitsmarkt­ service (AMS). Die Umstrukturierung von AMV zum AMS als "Dienstlei­ stungsunternehmen des öffentl ichen Rechts mit eigener Rechts­ persönl ichkeit" (33) war keineswegs eine rein organisatorische Frage, son­ dern hatte wesentliche Folgewirkungen für die Gestaltung und Abwicklung von arbeitsmarktpolitischen Programmen . Als zentrale Aufgabe des AMS wurde gesetzlich fixiert, Vermittlung auf dem bzw. in den Arbeitsmarkt zu fördern und zu organisieren (34 ) . Damit war auch klar festgelegt, daß das AMS nicht schwerpunktmäßig Beschäftigungspolitik im Sinne der Schaf­ fung von dauerhaften Arbeitsplätzen betreibt, sondern Arbeitsmarktpolitik: "Ziel des Arbeitsmarktservice ist, im Rahmen der Vollbeschäftigungspolitik der Bundesregierung . . . auf ein mögl ichst vollständiges, wirtschaftlich sinnvolles und nachhaltiges Zusammenführen von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage hinzuwirken und dadurch die Versorgung der Wirtschaft mit Arbeitskräften und die Beschäftigung aller Personen, die dem Österrei­ chischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, bestmögl ich zu sichern . . . Das Arbeitsmarktservice hat zur Erreichung dieses Zieles . . . auf effiziente Weise die Vermittlung von geeigneten Arbeitskräften auf Arbeitsplätze herbeizuführen" (35). 349