Wirtschaft und Gesellschaft Kräfte vorhanden sei , daß es aber er­ heblicher Anstrengungen bedürfe, die­ ses Potential zu nützen. Dann könne das Bewährte der Vergangenheit auch weiterhin seinen positiven Beitrag zur Österreichischen Politik leisten . Es müsse sich folglich " . . . alles ändern, da­ mit es so bleibt". Das erste Kapitel (Die "Wirklichkeit" der Sozialpartnerschaft - Der Wandel korporatistischer Paradigmen) betrach­ tet weniger den Wandel der Sozialpart­ nerschaft als den Wandel der Perspek­ tiven, in denen sie gesehen wurde. Her­ vorragend wird dabei herausgearbeitet, wie der Blickwinkel der Betrachtung durch Sozialwissenschaftler und Bür­ ger, wie die Interpretation des Gegen­ standes vom jeweiligen Zeitgeist, von der Aktualität bestimmter Themen bzw. theoretischer Modelle mitgeprägt wur­ de. Wie der Wechsel von Paradigmen, welche die sozialwissenschaftl iche Dis­ kussion prägten, die Deutung des Öster­ reichischen Korparatismus im Zeitab­ lauf veränderte, wird an den Beispielen Konsens- (Klassenkampf am grünen Tisch als Säule des Wirtschaftswun­ ders in den fünfziger und sechziger Jahren) , Pluralismus- (flexibles Kräfte­ spiel vieler Gruppen führt zu harmoni­ schem Gemeinwohl) , Verschwörungs­ (Politikgestaltung vorbei am demokrati­ schen Verfassungssystem), Entla­ stungs- (Wahrung der Problemlösungs­ kapazität eines überlasteten Staates durch Auslagerung von unangenehmen Entscheidungen), Stabilisierungs- (er­ folgreicher makroökonomischer lnter­ ventionismus in Krisenzeiten), Skleroti­ sierungs- (Versteinerung behindert wirt­ schaftliche Dynamik) und Symbiosepa­ radigma ( Integration starker Verbände zur Stabilisierung der politisch-wirt­ schaftlichen Lage) gezeigt. Dieser Ab­ schnitt kann durchaus als ebenso ge­ rechtfertigte wie auch genüßlich vor­ getragene Schelte des Autors der mei­ sten Kollegen seiner Zunft verstanden 402 23 . Jahrgang ( 1 997), Heft 3 werden, die er deshalb auch folgerich­ tig zur Vorsicht in bezug auf hurtige Aussagen über den Aufstieg und Nie­ dergang korporatistischer Systeme mahnt. Das zweite Kapitel (Bestandsaufnah­ me - Von der Erfolgsgeschichte zum Krisenfa/1) befaßt sich vor allem mit der Auflösung jener Rahmenbedingungen, die traditionell als Bestands- und auch Erfolgsgarantie der Sozialpartnerschaft dienten . Zuerst werden einige der Grundcharakteristika dieses eigentüm­ lichen Systems wie etwa die verdoppel­ te Verbändestruktur, lnformalität, Ge­ samtwohlorientierung und Politiknähe sowie deren Zusammenhang mit aktu­ ellen politischen Fragen beschrieben. Dann widmet sich der Autor einigen dieser Rahmenbedingungen , nämlich der Pluralisierung der Interessen , dem Verlust der großen Deutungen, den Prozessen der Veralltäglichung, der Komplizierung der Themen sowie der Krise der politischen Akteure. Dieses Kapitel bietet zwar nicht allzu­ viel wirklich Neues (über das Funktio­ nieren der Sozialpartnerschaft und die geänderten Rahmenbedingungen wur­ de schon ausführliehst publiziert), es ist aber dennoch aus zweierlei Gründen bemerkenswert. Während die meisten anderen sozialwissenschaftliehen Be­ schreibungsversuche der Sozialpart­ nerschaft zumeist hi lf- und verständnis­ los aus gesicherter Distanz am im Kern unverstandenen Untersuchungsobjekt herumzudeuteln versuchen , so finden sich bei Prisehing die meines Erach­ tens seit langem profundesten und ge­ lungensten Beschreibungen komplexer Phänomene wie etwa des internen und externen lnteressenausgleichs, der vieldimensionalen Verflechtung von Parteien , Regierung, Parlament und Verbänden oder der Veralltäglichung politischer Errungenschaften. Zweitens unterscheidet sich dieser Abschnitt wohltuend von anderen Pu­ blikationen zum Thema durch die Ab-