23 . Jahrgang ( 1 997), Heft 3 entwickeln bzw. umsetzen (S. 41 ). Als Beispiel für jene aufgeklärte Eliten wer­ den Stephan Schmidheiny und der von ihm gegründete Schweizer Wirtschafts­ rat für Nachhaltige Entwicklung ange­ führt. Diese beiden Gruppen sind als die zentralen Trägerorganisationen zur Durchsatzung von vier globalen Sozial­ verträgen gedacht, welche allesamt auf den Prinzipien der Kooperation, der Subsidiarität und der Toleranz beruhen und als Ziel die Schaffung eines neuen Bewußtseins der Zusammengehörig­ keit jenseits des Wettkampfes haben : Ein Grundbedürfnisvertrag soll der Be­ seitigung von ökonomischen und sozia­ len Ungleichheiten dienen, ein Kultur­ vertrag dem Prinzip der Toleranz und des interkulturellen Dialogs, ein Erdver­ trag der Durchsatzung einer nachhalti­ gen Entwicklung und ein Demokratie­ vertrag der Realisierung einer globalen politischen Steuerungsfähigkeit Letzteres sollte durch die Einberu­ fung einer 'globalen Bürgerversamm­ lung' erfolgen , welche im Rahmen der globalen Zivilgesellschaft konstruktive Vorschläge zur Bestimmung des globa­ len Gemeinwohls machen und die Rah­ menbedingungen für eine kooperative Wirtschaftssteuerung als Alternative zum Wettbewerb erarbeiten und reali­ sieren sol l . Diese globale Bürgerver­ sammlung soll zu der allmähl ichen Um­ wandlung der UNO-Generalversamm­ lung in einen Weltsenat oder 'Weltbun­ desrat' führen, in welchem nationale wie übernationale Regierungen vertre­ ten sind (S. 1 78f. ). Als Beispiel für eine Entwicklung in diese Richtung wird häu­ fig die UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung von 1 992 in Rio ange­ führt, welche zu einem überwiegenden Teil von NGOs mitorganisiert und ge­ staltet wurde, wenngleich als Träger und Financier die UNO selbst auftrat. Die globale Bürgerversammlung wird als globaler Akteur verstanden , welche "die Funktion übernehmen könnte, die Wirtschaft und Gesellschaft organisatorische Basis für Dialoge, Ver­ handlungen und Partnerschaften mit dem globalen Netz der privaten multi­ nationalen Unternehmen zur Verfügung zu stellen" (S. 1 80). De facto ist die globale Bürgerver­ sammlung als eine Art countervailing power gegen die globalen Unterneh­ men gedacht, "welche den Staat und seine Instanzen bei der Führung und Gestaltung der Weltwirtschaft ablösen" (s .o.) . So wichtig die beiden sozialen Akteure - d ie globale Zivilgesellschaft sowie die aufgeklärten El iten - schon in den vergangenen Jahren waren und auch in Zukunft sein werden , so sehr stellt sich die Frage nach deren Schlag­ kraft und Durchsatzungsvermögen in der heutigen Weltwirtschaft und Welt­ politik. Diese Problematik wird von den Autorinnen natürlich auch selbst er­ kannt und in einem Abschlußkapitel kurz d iskutiert. Von zentraler Bedeu­ tung ist dabei die Frage, inwieweit MNU einerseits sowie d ie Völker, Städte und Regionen des reichen Nordens ande­ rerseits fähig und willig sein werden, eine transparente und verantwortungs­ bewußte globale Steuerung zu fördern sowie entsprechende Verträge auszu­ arbeiten und zu unterzeichnen. Sicher­ lich kann und wird der Druck der globa­ len Zivilgesellschaft sowie die Politik der aufgeklärten Eliten des Nordens ei­ nen erheblichen Beitrag zum Umden­ ken von MNU sowie nationalen Regie­ rungen leisten , ob dieser jedoch ausrei­ chend sein wird, bleibt zumindest einst­ weilen eine offene Frage. Wenn in der Einleitung des Buches (völl ig zu Recht!) die Feststel lung ge­ troffen wurde: "Trotz der neuen Demo­ kratisierungswelle stellt das Fehlen in­ stitutionalisierter Formen sozial verant­ wortlicher und demokratisch kontrollier­ ter politischer Macht auf globaler Ebene die fundamentale Schwäche der heuti­ gen Welt dar." (S. 20), so muß hier je­ doch festgehalten werden, daß die glo­ bale Zivilgesellschaft sowie die aufge- 415