Wirtschaft und Gesellschaft "Malthusianischen Falle" bis zu deren Überwindung zu Beginn der Industriali­ sierung. K. Hausen ("Geschlecht und Ökonomie") kritisiert, daß in der bishe­ rigen Forschung sowohl die Bedeutung des Haushaltes wie die spezifischen Bedingungen der Frau als Wirtschafts­ subjekt vernachlässigt worden sei. Ob­ wohl gerade ihr Beitrag eine Fülle neue­ rer und wichtiger Forschungsbereiche aufzählt, wird man sich ihrem Urteil nicht ohne weiteres anschließen kön­ nen. Der neoklassische Ansatz der Economics of Family (Becker) hat bei aller gebotener Skepsis wohl eine Fülle interessanter Erkenntnisse vermittelt, die auch wirtschaftshistorisch fruchtbar wurden, und Studien über die spezifi­ sche Arbeitsmarktsituation der Frau sind zahlreich. H. Kiesewetter widmet sich dem re­ gionalen Aspekt der Wirtschaftsent­ wicklung. Hiebei begegnet man der Hy­ pothese, föderalistisch organisierte Staaten, wie die Schweiz, wüchsen schneller als zentralistische wie Eng­ land. Die empirische Evidenz stützt die­ se Aussage wohl nicht. ln der I ndustria­ lisierungsphase dürften die beiden Staaten gleich rasch expandiert sein , und nach 1 945 zählten sie zu den am langsamsten wachsenden. J. Radkau ("Technik und Umwelt") bemüht sich, Technik- und Umweltfor­ schung in die wirtschaftsgeschichtliche Analyse einzubauen. Das erweist sich für diese beiden relativ jungen For­ schungszweige deshalb nicht ganz leicht, weil die "Technik-historie . . . im­ mer noch ein tiefsitzendes Paradigma von der gesamten Weltgeschichte als Fortschritt, die Umwelthistorie dagegen ein un iversales Niedergangs-Paradig­ ma . . . " enthalten . R. Spree untersucht Wachstum und Konjunktur. Es ist zu begrüßen, daß er in die Präsentation der wachstumstheo­ retischen Konzepte institutionelle Aspekte, nämlich den "Property­ Rights"-Ansatz, einbezieht. Hier könnte 4 1 8 2 3 . Jahrgang ( 1 997), Heft 3 man sich eine Ausweitung allgemein in Richtung der Neuen lnstitutionenöko­ nomie, etwa der "high-powered econo­ mies" von 0. E. Williams, vorstel len. Ebenso wäre es sinnvoll , die auf den Arbeiten von Abramovitz beruhende Problematik des "catching-up" in die­ sem Zusammenhang zu behandeln . D ie umfassende Darstel lung der kon­ junkturtheoretischen Entwicklung führt Spree zu dem Schluß, daß sich der Wirtschaftshistoriker in seiner Arbeit nicht an eine Standardhypothese halten könne, sondern je nach seinem analyti­ schen Ziel unter den konkurrierenden Ansätzen wählen müsse. G. Ambrosius weist in seinem Bei­ trag ("Wirtschaftsstruktur und Struktur­ wandel; Gesamtwirtschaft") darauf hin, daß im Bereich der Strukturforschung der Zusammenhang zwischen der lau­ fenden ökonomischen Analyse und Wirtschaftsgeschichte am engsten ist, da Strukturwandel ein mittel- und lang­ fristiges Phänomen darstel lt, das nur unter historischen Aspekten erfaßt wer­ den kann. W. Plumpes äußerst instruktiver Bei­ trag ("Wirtschaftsstruktur und Struktur­ wandel; Landwirtschaft") hält sich in der Analyse strikt an ökonomische Kriterien und vermeidet das, was die histori­ schen Darstellungen der agrarischen Entwicklung häufig kennzeichnet, näm­ lich diese " . . . politisch-moralisch aufzu­ laden". D. Petzina untersucht den Strukturwandel in " Industrie und Hand­ werk" sowie im "tertiären Bereich", wo­ bei er den wichtigen Beitrag des letzte­ ren auch für die Industrialisierung - ein oft vernachlässigter Aspekt - betont. ln der Diskussion über die Struktur­ verschiebung zu den Dienstleistungen wird oft übersehen , daß dieser so pla­ kative Prozeß in Beschäftigtenzahlen sowie nominellen Werten in den realen kaum eine Entsprechung findet - schon gar nicht, wenn man die Auslagerungen von Industriedienstleistungen in Rechnung stellt.