23 . Jahrgang ( 1 99 7 ) , Heft 4 Wirtschaft und Gese l l s c haft hohe Wachstumsraten u m so schwerer erzielbar sind, je höher das erreichte N iveau ist. (Im Falle einer Erweiterung der EU um ärmere Länder wi rd man sich in den Ländern mit höherem Pro­ Kopf-Einkommen daran gewöhnen m üssen, n icht mehr Wachs­ tu msvorreiter zu sei n . ) ln Österreich kommt dazu das Spezifi­ kum , daß internationale Konjunkturschwanku ngen - nicht zuletzt d u rch d ie stabil isierende sozialpartnerschaftliehe Einkommens­ politi k - in der Regel nur gedämpft und zeitlich verzögert wirksam werden, was sich auch im jüngsten Zyklus zu bestätigen scheint. Die segensreiche Wirkung der geringeren Volatil ität wird also in i nternationalen Abschwü ngen gerne angenommen, i m Auf­ schwung aber als Schwäche charakterisiert. Die Entwicklu ng der Leistu ngsbilanz ist in der Tat u nerfreulich , allerd ings vor allem den Faktoren Reiseverkehr und Transferzah­ lungen an die EU zuzuschreiben. Aus dem vorhandenen Struk­ turproblem der Österreichischen Tou rismuswi rtschaft sol lte aber nicht direkt auf ein allgemeines Struktu rproblem der exportorien­ tierten Sektoren geschlossen werden, zumindest n icht auf ein d u rch d ramatische Änderungen aufgetretenes, neues Problem, denn das traditionelle Defizit im Waren handel verändert sich - in Prozent des BIP ausgedrückt - n icht i n relevanten D i mensionen . Die g ute internationale Wettbewerbsfähigkeit d e r Österreichi­ schen Produzenten zeigt sich an der ü be r J a h re h inweg hohen Wachstu msrate der Warenexporte, die - mit Ausnahme der bei­ den Aufwertungsjahre - auch zu teils beachtl ichen Marktanteils­ gewinnen i n den neunziger Jahren füh rte. Die ku rzfristigen Kon­ j u n kturprognosen gehen von einer Fortsetzung d ieser Tendenz aus. Vereinfacht könnte man sagen : das "Strukturproblem" l iegt n icht bei den existierenden Unternehmen, denn d iese weisen eine gute Performance auf - es gibt bloß zu wenig davon. Für d ie Prognose der Österreichischen Wirtschaftsentwicklung d ü rfte jedenfalls in ganz besonderem Maße gelten , was auch d ie EU generell betrifft: Treten keine völ lig u nvorhersehbaren exter­ nen Schocks auf, so liegen d ie derzeitigen Prognosen eher noch auf der pessimistischen Seite , nämlich wen n ab dem nächsten Frühjahr in U nsicherheiten begründete Wachstumshemmn isse wegfallen werden und sich die Erwartungen von I nvestoren und Konsumenten verbessern . V. Die Erfa hru ng zeigte, daß sich mit dem europäischen Dereg ulierungs- und Konsolidierungskurs der neunziger Jahre zwar die Profite steigern ließen , aber jedenfalls keine Beschäfti­ gung geschaffen werden konnte. Wie zu erwarten war, wirkten sich d ie (negativen) Nachfrageeffekte rasch und unmittelbar aus, 447