23 . Jahrgang ( 1 99 7 ) , Heft 4 Wirtsch aft und Gesellschaft Umwelt und Arbeit* Thomas Ritt 1. "Neues" Interesse an Umwelt und Arbeit Das Interesse an Umweltthemen hat stark nachgelassen. Jahrelang war der Umweltschutz bei Umfragen , welcher Politikbereich wichtig sei , unter den Top-Prioritäten. Es gibt keinen Pol itikbereich , der so in die Defensive geraten ist wie die Umweltpolitik. Heute rangiert er mit 33% im Ietzen Drit­ tel der Agenda. Das Thema "Erhalten von Arbeitsplätzen" halten etwa 78% für wichtig (1 ) . Der Grund, warum Umweltprobleme in der I nteressenskala der Bevölkerung und in der Politik auf einen der h interen Plätze rutschte, ist offensichtlich: Arbeitslosigkeit, von der man selbst oder ein Verwandter betroffen ist, oder auch die Furcht davor. Die Globalisierung und deren befürchtete negative Auswirkungen schaffen ein Klima tiefer Verunsiche­ rung. Antworten auf Fragen, die sich in d iesem Zusammenhang stel len, sind gefragt, n icht Diskussionen über den Treibhauseffekt und die Bedrohung durch das Ozonloch . Umweltpolitik ist nur mehr in einem Bereich aktuell und interessant: dort, wo konkrete beschäftigungswirksame Maßnahmen versprochen werden. ln dieser Situation der steigenden Arbeitslosigkeit und des zunehmen­ den Desinteresses am Umweltschutz bildet sich eine eigenartige Koaliti­ on von Arbeitsmarktpolitik und Umweltpol itik. Arbeitsmarktpol itische Ak- · Die Abteilung Umwelt und Verkehr der AK Wien hat einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf das Thema "Umwelt und Arbeit" gelegt. Als Ergebnis liegen bis jetzt drei Studien zum The­ma vor, die im Auftrag der AK erstellt wurden. Der folgende Artikel präsentiert diese Studi­ en im Rahmen der aktuellen Diskussion zum Thema Umwelt und Arbeit. 507