23 . Jahrgang ( 1 99 7 ) , Heft 4 nationaler Ebene, ohne die gesamteu­ ropäische Dimension mitzuberücksich­ tigen . Dies führte zu Schwachstellen bei der Verknüpfung verschiedener na­ tionaler Systeme, wie beispielsweise in der Streitfrage "TGV oder ICE?" Aber auch die steigende Nachfrage nach dem Transport für Güter basiert auf der intensivierten Integration in Westeuro­ pa und der Veränderung der organisa­ torischen Konzepte (Just-in-time-Logi­ stik). Die zunehmende Mobil ität begründet sich durch d ie steigenden E inkommen, die geringeren Arbeitszeiten und - da­ mit verbunden - den Anstieg der frei verfügbaren Zeit. Trotz dieser Entwick­ lung sanken die Investitionen in den ln­ frastrukturausbau in den siebziger und achtziger Jahren. Dies hatte diverse Schwachstellen zur Folge, von denen heute vor allem die Ost-West-Verbin­ dungen betroffen sind . Es gilt also Mit­ tel und Wege zu finden, d iese Lücken zu schließen. Heute geht es jedoch nicht nur um eine gesamteuropäisch koordinierte Planung bzw. um das Investitionsvolu­ men einzelner l nfrastrukturbereiche, sondern auch um deren Vernetzung. Durch die intermodale Vernetzung ver­ schiedener Verkehrssysteme sollen Straße, Bahn , Binnenschiffahrt und Luftfahrt verknüpft werden, womit transmodale Verteilzentren entstehen werden. 7. Armut und Arbeitsmarkt Die Arbeitslosigkeit hat in den letzten zehn Jahren europaweit stark zuge­ nommen . Dies hat teilweise strukturel­ le Ursachen . Wenn keine neuen Model­ le entwickelt werden, die aus dieser Kri­ se herausführen, droht eine Zweidrittel­ Gesellschaft. Hierfür sind zwei dramatische Aspek­ te zu beachten: * Die nachfolgenden Generationen sind nur schwer in den Arbeitsprozeß inte­ grierbar. Wirtschaft und Gesellschaft * Ältere Arbeitnehmerlnnen, die auf­ grund der "zu hohen Arbeitskosten" arbeitslos wurden, haben es sehr schwer, in den Arbeitsmarkt zurückzu­ kehren. Sie enden oft als Langzeitar­ beitslose. Es gilt also Wege zu finden, welche die "Neue Armut" weitgehend verhin­ dern . 8. Wohnen - Haushalte - Migration Der Wandel der Gesellschaftsstruk­ tur spiegelt sind in den Schlagworten wie beispielsweise Dinks, Yuppies, Sin­ gle City Blues, Yussies etc. wieder. Ne­ ben der Lebensgemeinschaft mit dop­ peltem Einkommen und keinen Kindern kristallisiert sich vor allem der Trend zu Single-Haushalten heraus. Single­ Haushalte stellen jedoch andere Anfor­ derungen an den Wohnraum, so daß heute Angebot und Nachfrage nicht mehr im Einklang stehen. Dies ist auch durch die geringere Bautätigkeit der letzten Jahre begründbar. Anforderungen an den Wohnraum ergeben sich auch durch die wachsen­ den Wanderungsströme. Letztere fin­ den nicht nur von Ost nach West bzw. zwischen Staaten , sondern auch zwi­ schen Regionen statt. Dieser Trend ist auch durch die reg ionalen Lohndiffe­ rentiale und Sozialleistungen begründ­ bar. Wegen dieser Entwicklungen sind neue Ideen für die Regionen gefordert. 9. Regionalwirtschaftliche Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben in Europa eine große Be­ deutung, ganz im Gegensatz zu den USA. Sie stellen flexiblere Einheiten dar und schaffen damit Arbeitsplätze. Dies zieht eine Veränderung der Be­ schäftigungspotentiale nach sich, die beispielsweise durch die Förderung von Unternehmensgründungen bei KMU unterstützt werden kann . 565