Wirtschaft und Gesellschaft Als weitere institutionalisierte Lösun­ gen werden das "Technikfolgenab­ schätzungsbüro Deutscher Bundestag" - TAB, das "Office Parlementaire d'Eva­ luation des Choix Scientifiques et Tech­ nologiques" - OPECST in Frankreich, das "Parliamentary Office of Science and Technology" - POST in Großbritan­ nien und das "Scientific and Technolo­ gical Options Assessment Programme" - STOA der EU näher vorgestellt. Alle Einrichtungen (außer dem OTA) haben zwischen fünf und zwanzig M itarbeiter und ein Budget von 1 0 - 30 Mio öS (POST nur 4 Mio öS). ln weiteren euro­ päischen Ländern ist die Diskussion bzw. der Aufbau von TA unterschiedlich weit fortgeschritten. Die Darstellung und Beurteilung der TA- Institutionen wird von den Autoren weitgehend hinsichtlich der Nähe zu den Parlamenten vorgenommen - kon­ sequenterweise wird daher laufend von PTA - "Parlamentarisches Technology Assessment" gesprochen. Dies wirkt in­ sofern irritierend, als ja von Tichy und auch von Peissi/Torgersen die Haupt­ aufgabe von TA in der Politikberatung gesehen wird - sprich: in der Verbesse­ rung von Entscheidungen. Die Erfül­ lung dieser Funktion hängt natürlich im erheblichen Ausmaß davon ab, wie sehr die TA- Institution Zugang zu den jeweiligen bestimmenden politischen Entscheidungsträgern bekommt - was nicht in allen Fällen unbedingt in erster Linie das Parlament sein muß, wie auch Peissi/Torgersen konstatieren. Dies ergibt sich schon aufgrund der Quantitäten: Tichy spricht von 20% der Gesetze, die zumindest implizit Tech­ nologiebewertung vornehmen - ganz zu schweigen von der großen Menge an Verordnungen, welche das Parlament gar nicht passieren. Eine Überprüfung, inwieweit das im Grundsatz als primär angesehene Ziel der Technologiebera­ tung in den verschiedenen nationalen Ausprägungsformen erreicht werden konnte, wäre äußerst interessant, fehlt 1 36 24. Jahrgang ( 1 998), Heft I aber weitgehend. Aufschlußreicher wird hingegen die ebenfalls wichtige Fragestellung behandelt, inwieweit die auch demokratiepolitische Rolle erfüllt wird, interessierte Bürger in die techno­ logiepolitische Diskussion einzubezie­ hen bzw. bei bestimmten Technologien das Interesse des Parlaments an derar­ tigen Fragestellungen zu erhöhen. Im zweiten Teil des Beitrages werden die TA-Aktivitäten in Österreich darge­ stellt, d ie ebenfalls bis zur Mitte der achtziger Jahre zurückgehen und letzt­ lich auch zur Gründung des ITA an der Akademie der Wissenschaften geführt haben. Wie Peissi/Torgersen schrei­ ben, stellt die derzeitige Lösung zwar eine weitgehende inhaltliche Unabhän­ gigkeit sicher, bringt aber andererseits eine chronische Mittelknappheit und eine mangelnde Nähe zu politischen Entscheidungsträgern mit sich . Dies hat sich durch die weitgehend positiven Erfahrungen im Zuge einer in Öster­ reich erstmals an einem konkreten Bei­ spiel (Gentechnik) eingesetzten Enque­ te-Kommission des Parlaments (die vom ITA betreut wurde) kaum verän­ dert. Wie die Autoren richtig bemerken, hat daran auch die Etablierung eines Rats für Technologieentwicklung unter Vorsitz des Wissenschaftsministers mit rund 40 Mitgliedern aus Ministerien, Parlament, Ländern, Verbänden usw. nichts geändert. Unabhängig von der in diesem Zu­ sammenhang auftretenden Frage der Arbeitsfähigkeit von Gremien stellt sich das grundsätzliche Problem der Nach­ frage. ln den meisten Fällen ist eine sinnvolle unabhängige Beratung ja nur dann möglich, wenn die zu Beratenden auch tatsächlich beraten werden wol­ len. Fehlt dieses Moment, dann werden nur in Ausnahmesituationen (etwa eine politisch akut werdende Frage) dynami­ sche Entwicklungen in diese Richtung möglich. Die Autoren legen für die Entwick­ lung von TA in Österreich einen sehr zu