24. Jahrgang ( 1 99 8 ) , Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft Fritz Klenner t Am 29. Dezember 1 997 ist Fritz Klenner, der dem Redaktionsbeirat d ie­ ser Zeitschrift vom Beginn an angehört hat, im 92. Lebensjahr verstorben. Das Besondere seiner Persönl ichkeit bestand dar in , daß er in mehreren Bereichen des öffentlichen Lebens außerordentlich erfolgreich tätig war: als Publizist und Autor vielbeachteter Bücher und Zeitschriftenartikel , als Funktionär der Gewerkschaftsbewegung in leitender Stel lung und als Po­ litiker, schließlich als Vorstandsmitglied der Bank für Arbeit und Wirtschaft. Es kann an dieser Stel le n icht darum gehen , d ie vielfältige Tätigkeit Fritz Klenners umfassend darzustel len. Zu gedenken ist hier seiner Leistungen auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Gesellschaftspol itik , dem auch ein Großteil seiner publ izistischen Tätigkeit zuzurechnen ist, sowie als Histo­ riker und Theoretiker der Gewerkschaftsbewegung. 1 906 in Wien geboren , gehörte Klenner jener Generation an, deren gei­ stig ambitionierte Vertreter sich ein fundierteras und umfassendes Wissen im zweiten Bildungsweg erwarben . Für Klenner, der nach Absolvierung der Unterrealschule und einer kaufmännischen Fortbildungsschule bereits 1 921 in die Länderbank als Lehrl ing eintrat, waren es die Gewerkschafts­ schule und die Parteischule der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei , wel­ che diese Bi ldungsmöglichkeiten eröffneten . Man kann auch annehmen, daß sich bei Fritz Klenner damals schon paral lel zur gewerkschaftl ichen Tätigkeit, in der er sich früh engagierte, das I nteresse an theoretischer Er­ kenntnis und Weiterverarbeitung von Erfahru ngen der praktisch-politi­ schen Tätigkeit entwickelte. Nach Unterbrechungen der gewerkschaftli­ chen und politischen Tätigkeit durch Ständestaat und Mi l itärd ienst im Zweiten Weltkrieg war Fritz Klenner bald nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in der gewerkschaftlichen Publizistik tätig . Er leite­ te die Verlagsunternehmungen des ÖGB und war insbesondere entschei­ dend am Aufbau des Europa-Verlages betei l igt, der in den sechziger Jah­ ren als sozialwissenschaftl iches Publikationsmedium eine Bedeutung in­ nehatte, für die es seither in Österreich kein zweites Beispiel gibt. Klenners eigene publ izistische Tätigkeit war zunächst gewerkschafts­ politischen Themen gewidmet. Umfang und Breite der Veröffentl ichungen Klenners sind umso erstaunlicher und bemerkenswerter, als seine Funk­ tionen im ÖGB, dessen stel lvertretender Generalsekretär er von 1 956 bis 1 959 war, für sich schon ein intensives Tagespensum beinhalteten . Die beiden ersten Bände von "Die Österreichischen Gewerkschaften" erschie­ nen 1 951 und 1 953, zusammen mit dem 1 979 erschienenen dritten Band sind sie auch heute noch Standard- und wichtiges Quellenwerk zur Öster­ reichischen Gewerkschaftsgeschichte. Von d ieser Gewerkschaftsge­ schichte gibt es auch mehrere kürzere, einbändige Versionen. ln der Zeit seiner unmittelbar politischen Tätigkeit a ls Nationalratsab­ geordneter der SPÖ ( 1 958 bis 1 961 ) und danach als Vorstandsmitgl ied und bald darauf Generald i rektor der Bank für Arbeit und Wirtschaft AG ( 1 963 bis 1 972) widmete sich Klenner intensiv der Untersuchung von 173