24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft werden muß. ( ln dem Maße, indem beispielsweise Re- Importe unterblei­ ben, die Tochter also nur zusätzliches Marktvolumen abdeckt, positiviert sich d ie Leistungsbilanz etc.) . Zur Beschreibung der Effekte wird im folgenden argumentiert, daß d ie Verlagerung nicht vorgenommen worden wäre ( Referenzszenario ). Dies ist deshalb plausibel, da eine Verlagerung - im Gegensatz zu sonstigen Direktinvestitionen - nicht teilweise vorgenommen werden kann. Effekt 1 : Die Direktinvestition der Muttergesel lschaft bewirkt einen Kapi­ talexport (Pfei l A), welcher durch Erträge der Tochtergesellschaft in Ost­ europa, welche nach Österreich transferiert werden, teilweise kompensiert wird . Die Höhe des Saldos hängt davon ab, ob Mutter oder Tochter mehr Kapital exportiert, d .h . von der Höhe der I nvestition und der Profitabil ität der Tochter. Gleichzeitig kommt es zu I ntra-Firmen-Handel, der vorher nicht bestanden hat. Die Zahlungsbilanzwirkung hängt davon ab, ob Mut­ ter oder Tochter mehr exportieren bzw. wie d ie Höhe der Exporte durch Verrechnungspreise gesteuert wird . Beispiel : Die Engineeringabtei lung und das Konstruktionsbüro wurden von der Mutter nach Osteuropa verla­ gert. Die I nvestition war sehr gering (Gebäudemiete, EDV-Anlage), der re-transferierte Gewinn der Tochtergesellschaft ist hoch , so daß per Sal­ do ein zusätzlicher Nettoimportstrom in der Kapitalbi lanz auftritt. Im Falle von marktorientierten Direktinvestitionen sind verstärkte Vorleistungs­ exporte im Güter- oder Dienstleistungsbereich zu erwarten . Effekt 2 : Die lokale Ostproduktion der Tochter substituiert erstens frühe­ re Exporte der Mutter an Dritte in Osteuropa (Pfeil D) , was die Leistungs­ bilanz passiviert, und zusätzlich verstärkt sich d ieser Effekt, da Re-Impor­ te von der Tochter frühere Lokalproduktion der Mutter (Pfeil C) substitu ie­ ren . Beispiel: Die Fi l iale einer Bank in Osteuropa gibt selbständig Bankga­ rantien für Handelsgeschäfte, die bisher der Mutter vorbehalten waren. Aufgrund der günstigen Konditionen der Osttochter greifen auch heimi­ sche Unternehmen bei ihren Exportgeschäften auf d iese zurück. Zusätz­ lich hat d ie Diversifikation der Unternehmen (innerhalb der angestammten Branche bzw. darüber h inaus) positive Wirkungen auf die Exporte. Effekt 3: Der Handel der Tochter substituiert frühere Exporte der Mutter an Drittmärkte ( I , G), sowohl an Dritte wie Intra-Firmen-Handel (Pfeile H , J) (1 5). Dieser Effekt tangiert d ie Leistungsbilanz Österreichs nur insofern , als frühere Exporte der Mutter an den Rest der Welt betroffen sind (und zwar an Dritte und Töchter, welche nun in der Leistungsbilanz Osteuropas mit dem Rest der Welt wirksam werden). Beispiel : Die Kessel für Produk­ tionsan lagen, welche die Muttergesel lschaft im Ausland errichtet, werden statt aus Österreich vom osteuropäischen Standort zugel iefert. Der Kesselexport aus Österreich entfällt, d .h . die Leistungsbilanz passiviert sich . 485