24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft BÜCHER Sozialpolitische Institutionen im Vergleich Rezension von: Emmerich Talos (Hrsg.), Soziale Sicherung im Wandel. Österreich und seine N achbarstaaten. Ein Vergleich, Böhlau Verlag, Wien 1998, 594 Seiten, öS 686,-. Eines der undankbarsten Gebiete so­ zialwissenschaftl icher Arbeit ist der Vergleich zwischen I nstitutionen unter­ schiedlicher Länder. Denn jede Darstel­ lung spezifischer Institutionen eines Landes setzt einen vertrauten Umgang mit dessen grundlegenden politischen und rechtlichen Strukturen voraus, ohne die solche Darstellungen nicht zu verstehen sind . Eine Darstellung der Österreichischen Sozialpolitik wendet sich eben meist an Leser, denen die po­ litischen, wirtschaftlichen und rechtli­ chen Strukturen in Österreich weitge­ hend bekannt sind. Dann bedeutet näm­ lich die Feststellung, daß diese oder jene Leistung ausgeweitet oder gekürzt wurde, für Leser eine klare Aussage. An­ ders ist das bei Ländern, die man nicht kennt. So würde etwa die Feststellung, daß ein Staat eine beitragspflichtige Krankenversicherung einführt, wenig In­ formation bieten, solange man nicht weiß, wie denn bisher der Zugang zu den Gesundheitsdiensten erfolgte. Vergleiche von Institutionen sind aber durchaus sinnvoll. Es besteht nämlich die Gefahr, daß, wenn man nur die eigenen I nstitutionen der Sozialpo­ litik kennt, diese als einzig mögl iche betrachtet, die man höchstens mit idea- len I nstitutionen vergleicht - vor allem dann, wenn man kritisch ist; oder aber mit Zuständen ohne jegliche Sozialpo­ litik, was natürlich die jeweils bestehen­ de Sozialpolitik gut und daher in dieser Form als notwendig erscheinen läßt. Das von E.Talos herausgegebene Buch enthält für jedes der Österreichi­ schen Nachbarländer - mit Ausnahme der Slowakei - einen Artikel über des­ sen Sozialpolitik. Es werden dabei so­ wohl d ie grundlegenden Strukturen als auch die Veränderungen der letzten Jahre dargestellt. ln einem einleitenden Kapitel von E.Talos und H .Obingerwird ein systematischer Rahmen für diese Artikel dargelegt und in einem abschlie­ ßenden Kapitel von E.Talos und K.Wörister ein zusammenfassender Überblick gegeben. Der theoretische Rahmen ist der ei­ ner politikwissenschaftlichen Fragestel­ lung, nämlich ob es bestimmte Sozial­ staatstypen gibt - sozialdemokratische, l iberale bzw. konservative Strukturen. Es ist - oder war? - nämlich eine in der Politikwissenschaft weithin akzeptierte Hypothese, daß l iberale Sozialstaats­ ideen vor allem die Bekämpfung der Armut zum Ziel haben, aber wenig sozi­ alstaatliche Absicherung den Mittel­ schichten bieten - das wichtigste Bei­ spiel ist die Sozialpolitik in den USA. Bei konservativer Sozialpolitik h inge­ gen wird auch das Einkommen der Mit­ telschichten sozialpolitisch geschützt. Allerd ings erfolgt der Zugang zu den Einrichtungen des Sozialstaates über berufsspezifische Institutionen. Das hat zwei Nachteile: Erstens unterscheiden sich sozialpolitische Rechte für unter­ schiedliche Gruppen. Das wird oft als ungerecht empfunden und untergräbt die Legitimität des Sozialstaates. Zwei­ tens besteht die Gefahr, daß Personen, 567