Wirtschaft und Gesellschaft Einführung in die Österreichische Sozialpolitik Rezension von: Christoph Badelt, August Österle, Grundzüge der Sozialpolitik, zweihändig, Band 1 : Allgemeiner Teil - Sozialökonomische Grundlagen, 135 Seiten; Band 2: Spezieller Teil - Sozialpolitik in Österreich, 260 Seiten, Verlag MANZ, Wien 1998, zusammen öS 620,-. Obwohl Sozialpolitik ein wichtiger Teil der Politik ist - schl ießlich werden in vielen Ländern fast 30% des BIP über sozialpolitische Programme ver­ teilt -, gibt es kaum systematische Darstellungen der Sozialpolitik, die nicht in erster Linie Darstellungen des jewei­ ligen Sozialrechts sind. Aus Großbritan­ nien kommt das Buch von Nicolas Barr, der eine Darstellung von Sozialpolitik im Rahmen der ökonomischen Theorie bie­ tet, das aber trotz seines Umfangs alle Themen nur kurz streift. ln den USA gibt es zwar sehr viele und sehr gute For­ schungen zu Fragen der Sozialpolitik, aber ein umfassendes Buch, das man für den Unterricht an Universitäten oder für das Selbststudium verwenden kann, gibt es nicht. ln Deutschland ist das letz­ te umfassende Buch, das Sozialpolitik in einem sozialwissenschaftliehen Ver­ ständnis systematisch darstellt, das Werk von Liefmann-Keil aus dem Jahr 1 96 1 . Seither hat sich nicht nur die Sozi­ alpolitik geändert, sondern vor allem die sozialwissenschaftliehen Theorien, die sich damit beschäftigen. Das große Lehrbuch von Lampert ist vor allem eine Darstellung des deutschen Sozial rechts, es beansprucht nicht, den Gegenstand mit Methoden ökonomischer oder ande­ rer sozialwissenschaftl icher Theorien zu behandeln. 570 24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Die beiden Bände von Badelt und Österle sind daher ein wichtiges Vorha­ ben gewesen. Aus den Lehrveranstal­ tungen an der Wirtschaftsuniversität Wien und an der Sozialakademie wur­ de ein einführendes Lehrbuch ge­ macht. Im ersten Band wird ein theore­ tischer Rahmen für die Behandlung der wichtigen sozialpolitischen Programme Österreichs im zweiten Band dargelegt. Elemente der ökonomischen Theorie, insofern sie für die Analyse von Sozial­ politik wichtig sind , werden angeführt. Nach Meinung der Autoren genügt es aber nicht, Sozialpolitik im Rahmen der Ökonomie zu sehen. Insbesondere gel­ te das für die herrschende neoklassi­ sche Ökonomie, die für die Autoren ei­ nen als individualistisch bezeichneten Ansatz vertritt, der sich nur wenig für die Darstellung von Problemen der So­ zialpolitik eigne. ln diesem Band wer­ den auch kurz unterschiedliche politi­ sche Konzepte des Wohlfahrtsstaates, wie sie in der Politikwissenschaft disku­ tiert werden, und Fragen der Gerechtig­ keit behandelt. Im zweiten Band werden nach einem Überbl ickskapitel die einzelnen Berei­ che der Sozialpolitik in jeweils einem Kapitel dargestellt: Gesundheit, Behin­ derung, Alter und Pflegebedürftigkeit, Familien, Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung. ln jedem der Ka­ pitel werden zunächst die Ziele der je­ weiligen sozialpolitischen Programme, dann einige Fragen der Theorie und schließlich die institutionellen Struktu­ ren dargelegt. Die wichtigsten Ergeb­ nisse von Untersuchungen zur Österrei­ chischen Sozialpolitik werden referiert. Diese Kapitel geben einen guten Über­ blick über das jeweilige Thema, wobei immer auch auf die Beziehung zu den in den anderen Kapiteln behandelten Fragen hingewiesen wird. Gelegentlich gleitet das Bemühen der Autoren, Querverbindungen herzu­ stellen, zu sehr in die Methode der frei­ en Assoziation ab. I nsbesondere im