Wirtschaft und Gesellschaft Vertretungsgremien (RSA) geführt wer­ den. Weitere Abkommen auf zentraler Ebene folgten: 1 995 zwischen Regie­ rung und Gewerkschaften über die Re­ form des Sozialversicherungssystems, insbesondere die Pensionsreform; 1 996 ein tripartiter Beschäftigungspakt Die beiden Autoren betonen, daß der bis dahin die italienischen Arbeitsbezie­ hungen charakterisierende Dualismus aus Voluntarismus und lnformalität ei­ nerseits sowie Integration ( institutiona­ lisierte Einbeziehung der Sozialpartner in die Konzeption und Durchführung der Sozial- und Beschäftigungspolitik) und staatl icher I ntervention (mittels Schlichtung) andererseits in den neun­ ziger Jahren im Hinblick auf die neuen wirtschaftl ichen Herausforderungen (v.a. die Währungsunion) nicht mehr funktional war, grundlegende Reformen also unabdingbar wurden. Die Nachtei­ le von Voluntarismus und l nformalität traten bereits in den achtziger Jahren deutlich zutage: Die Akteure verhielten sich unberechenbar, die kurzfristige Perspektive dominierte, und die getrof­ fenen Vereinbarungen erwiesen sich als verwundbar gegenüber politischen Veränderungen. Das Abkommen des Jahres 1 993 über Einkommenspolitik und Verhand­ lungsreform stellt fraglos einen wesent­ lichen Fortschritt in der lnstitutionalisie­ rung der italienischen Arbeitsbeziehun­ gen dar, aber - und d ies ist eine wichti­ ge Einschränkung - es handelt sich da­ bei 'nur' um eine Vereinbarung über Regeln. Von gemeinsamen Vorstellun­ gen über die grundsätzliche Ausrich­ tung wirtschaftl icher Entwicklung und daraus abgeleitete wirtschaftspolitische Prioritäten sind die italienischen Sozial­ partner noch weit entfernt! Und ob die gesamtwirtschaftl iche Konzertierung politischen Veränderungen standhält, ist (wie die jüngsten Konflikte über die Arbeitszeitpolitik andeuten) nach wie vor offen. Immerhin signalisiert das 576 24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Festhalten von Confindustria an dem zentralen Abkommen von 1 993 eine Haltungsänderung der Arbeitgeber. Schweden wiederum wird immerwie­ der als Beispiel dafür zitiert, wie ein ein­ stiges sozialpartnerschaftliches Mu­ stersystem an Konfl ikten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung (zwischen Gewerkschaften des exponierten und des geschützten Sektors, zwischen je­ nen des privaten und jenen des öffent­ lichen Sektors, zwischen Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften über die Lohndifferentiale zwischen den Bran­ chen und das Ausmaß vertikaler Lohn­ unterschiede) sowie zwischen den So­ zialpartnern zerbrach. Die Initiative zu einer Systemände­ rung ging von der privaten Arbeitgeber­ dachorganisation SAF aus: Angesichts der in den achtziger Jahren erwiesenen Unvereinbarkeit des fragmentierten und nicht mehr umfassend koordinier­ ten Lohnverhandlungssystems mit der Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfä­ h igkeit des exponierten Sektors be­ schloß die SAF im Februar 1 990, selbst keine Verhandlungen mehr über Kollek­ tivverträge zu führen und diese aus­ schließlich den Industrieverbänden zu überlassen. Weiters zogen sich die Ar­ beitgeber aus den meisten (aber kei­ neswegs allen!) tripartiten Gremien des Staates zurück. Endziel der SAF war die völlige Dezentralisierung der Ver­ handlungen über Löhne und Arbeitsbe­ dingungen, d .h . , diese sollten nur noch auf der betrieblichen Ebene stattfinden. Wenngleich dieser Schritt der SAF das formelle Ende des in den dreißiger Jahren install ierten schwedischen Mo­ dells der Sozialpartnerschaft bedeute­ te, so endete damit jedoch nicht die ge­ samtwirtschaftliche Konzertierung der Einkommenspolitik, wie Anders Kjell­ berg in seiner Landesstudie zeigt. Noch im Jahr 1 990 sahen sich die Arbeitge­ ber veranlaßt, an einer staatlich initiier­ ten - nämlich mittels Einsetzung einer Schlichtungskommission (Rehnberg-