Wirtschaft und Gesellschaft No future im Paradies Neuseeland? Rezension von: Andreas Knorr, Das ordnungspolitische Modell Neuseelands - ein Vorbild für Deutschland?, Mohr Siebeck, Tübingen 1997, 192 Seiten, öS 7 15,-. Anfang der neunziger Jahre wurde Mexiko (1 ) als das neue Wirtschafts­ wunderland und als Musterschüler des Neoliberalismus gefeiert. Die Katastro­ phe des Jahres 1 994 enthüllte jedoch die Mängel der neoliberalen wirt­ schaftspolitischen Rezepte. Seine Stel­ le hat nunmehr Neuseeland, der einsti­ ge Wohlfahrtsstaat am Südpazifik, ein­ genommen. "Angesichts der großen Erfolge bei der Bekämpfung der Ar­ beitslosigkeit und der Inflation bei einer zugleich deutlichen und anhaltenden Belebung des Wirtschaftswachstums gilt das Land inzwischen als nachah­ menswertes Vorbild für die Bewältigung der gravierenden ökonomischen Pro­ bleme erstarrter Volkswirtschaften . . . . . " (S. 1 ). Grund genug also, die neusee­ ländischen Reformen etwas näher zu untersuchen und nach der Übertragbar­ keit auf andere Länder zu fragen. Das ist das Ziel der vorliegenden Arbeit. Die Untersuchung gl iedert sich in fünf Abschnitte. Der erste Teil ist der H intergrundinformation gewidmet. Er gibt einen kurzen Überblick über das politische System des Landes sowie die Parteienlandschaft, beschreibt den Weg Neuseelands in die Krise und ana­ lysiert die zugrundeliegenden Ursa­ chen. Knarr führt dafür insbesondere die zunehmenden lenkenden staatli­ chen Eingriffe in Marktprozesse sowie im Bereich der Makrosteuerung eine expansive Geld- und Fiskalpolitik an. 578 24. Jahrgang ( 1 998) , Heft 4 Diese lnterventionsspirale, mehrere exogene Schocks sowie eine protektio­ nistische Agrarpolitik führten - begleitet von einer verfehlten Sozialpolitik - Mit­ te der achtziger Jahre zu einer katastro­ phalen ökonomischen Lage. Besonders kritisiert wird die Wiedereinführung ei­ ner steuerfinanzierten Altersrente, die unabhängig von der ind ividuellen Be­ dürftigkeit jedemir Neuseeländer/in zu­ steht. Zu dieser Zeit hatte Neuseeland ein im internationalen Vergleich groß­ zügiges Sozialleistungssystem. Die Zahlungsbilanzkrise des Jahres 1 984 wurde allgemein als Beleg für das . Scheitern dieses Kurses gesehen. Die wirtschaftliche Lage Neusee­ lands Mitte der neunziger Jahre - ge­ messen an gängigen Kriterien wie BIP­ Wachstum, Arbeitslosigkeit, Preise, Leistungsbilanz und Budgetdefizit - wird sehr positiv dargestellt. Die jüngste wirtschaftliche Entwicklung stellt sich allerdings nicht mehr so günstig dar, das B IP-Wachstum lag 1 997 unter dem OECD-Durchschnitt. Auch in der län­ gerfristigen Entwicklung stellt sich her­ aus, daß das Wirtschaftswachstum seit 1 984 unter dem Durchschnitt der OECD-Länder liegt. Die Arbeitslosen­ quote, die übrigens über der Österrei­ chischen liegt, ist zwar in den letzten Jahren gesunken, stieg aber 1 997 wie­ der an, das Beschäftigungswachstum ist ebenfalls deutlich zurückgegangen. Erwähnen muß man in diesem Zusam­ menhang freilich auch, daß in Neusee­ land jemand als beschäftigt gi lt, der in der Woche vor der Datenerhebung eine einzige Stunde gearbeitet hat. Das Lei­ stungsbilanzdefizit hat sich inzwischen wieder enorm stark erhöht und ist 1 998 mit 6,9% des B IP fast so hoch wie 1 984. Auch die Budgetüberschüsse re­ duzierten sich zuletzt deutlich. Die jüngsten Makrodaten zeigen somit kei­ neswegs so klar, daß das neuseeländi­ sche Modell als das Erfolgsmodell be­ zeichnet werden kann , da die Dauer­ haftigkeit des Erfolgs noch nicht ausrei-