24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Gibt es eine Renaissance der �sterreichischen Schule? Rezension von: Willern Keizer, Bert Tieben, Rudy van Zijp (Hrsg.), Austrian Economics in Debate, Routledge, London/New York 1 997, 293 Seiten. Lange Zeit hatte die �sterreichische Schule der National�konomie ein ver� gessenes Dasein gef�hrt, Keynesianis� mus und danach die Neoklassik be� herrschten die national�konomische Szene. ln den letzten Jahren jedoch ist sie wieder in den Vordergrund getreten; immer mehr �konomen greifen ihre Gedanken auf und diskutieren sie. Der erste Kern der "Austrians" hatte sich Mitte der siebziger Jahre in den USA gebildet und begann dort eine intensive T�tigkeit zu entfalten. Nunmehr weiten sich solche theoretischen Diskussionen auch auf Europa aus. So er�rterten 1 995 im Rahmen einer Konferenz in Amsterdam vorwiegend europ�ische �konomen Aspekte der �sterreichi� schen Schule. Der vorliegende Sam� melband enth�lt die dort pr�sentierten Beitr�ge. Die Wiederkehr der �sterreicher er� folgt n icht ganz �berrraschend. ln den letzten Jahren wird einer immer gr��er werdenden Zahl von �konomen be� wu�t, da� die grundlegenden Annah� men der Neoklassik v�llig wirklichkeits� fremd sind, da� hier ein riesiger Bau auf einem t�nernen und br�chigen Fun� dament ruht. Die Suche nach realit�ts� n�heren Erkl�rungen �konomischer Abl�ufe lie� manche Autoren auf die �sterreichische Schule der National� �konomie (�SN) zur�ckgreifen, welche gemeinhin auch zu den fundamentalen Str�mungen der "marginalistischen Re� volution" in den Siebziger Jahren des Wirtschaft und Gesellschaft vorigen Jahrhunderts gez�hlt wird. Freilich scheint die Frage, ob das im engeren Sinne tats�chlich zutrifft, das Hauptelement ihrer Renaissance zu sein . Schon 1 972 hat Streissler dieses Problem in seinem klassischen Artikel " To what extent was the Austrian school marginal ist?" ( 1 ) aufgegriffen und war damit seiner Zeit weit voraus. Das beto� nen auch Tieben und Keizer in ihrer Einf�hrung zu diesem Sammelband. 'With Streissler (1 972) we may doubt whether the Austrian school was parti� cularly 'marginal ist' at al l , despite the fact that it was Wieser who coined the term 'Grenznutzen', marginal utility. Au� strian theory concentrated on the 'Nut� zen' , not on the 'Grenze'. lts real es� sence was the subjectivist approach to economics: from its subjective definiti� on of an economic 'good' followed the object of the science, its value theory and all the inferences from that. Austri� an economists believe that the intro� duction of subjectivism was a more ra� dical part of the 'marg inal ist' revolution than the appl ication of marginal calcu� lation. 'Marginal ism' is only a calcula� ting technique borrowed from mathe� matics and applicable in various sci� ences, whereas subjectivism forms the core of a specific science of human ac� tion. As far as Austrian economists are concerned, the proper name of the re� volution that occurred in the 1 870s should be 'subjectivist revolution' . " (S. 1 ) Dennoch empfanden sich die Vertre� ter der �SN durchaus als Bestandteil der marg inalistischen Revolution, was nicht weiter erstaunlich scheint, da sie ja gemeinsam in Frontstellung gegen� �ber der Klassik wie der Historischen Schule standen und bestrebt waren, der National�konomie eine umfassende theoretische Basis zu vermitteln. Diese Position brachte Mises 1 932 zum Aus� druck, wenn er sagte: "We usually speak of the Austrian and the Anglo-American schools and 589