Wirtschaft und Gesellschaft zenschule, wurden ins Exil gezwungen, und von den international namhaften deutschen Theoretikern, die die Debat­ ten der zwanziger Jahre beherrscht hat­ ten , blieben nur wenige. Joseph Schumpeter und Friedrich A. Hayek hatten Deutschland schon 1 932 verlas­ sen. Gottfried Haberler, Ludwig A. Hahn, Emil Lederer, Adolf Löwe, Oskar Morgenstern, Fritz Neumark, Franz Oppenheimer, Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow, um nur einige pro­ minente Namen zu nennen, folgten. Die Nationalsozialisten verzichteten, von einigen Ausnahmen abgesehen, darauf, mit der Gleichschaltung stram­ me Parteigänger ohne wissenschaftli­ che Reputation an die Spitze der wirt­ schaftswissenschaftlichen Institutionen zu hieven . Soweit die Spitzenpositio­ nen neu besetzt wurden, und das wur­ den fast alle, waren es zunächst beina­ he ausnahmslos Vertreter der historisti­ schen und romantischen Strömung, die davon profitierten . Ein Bündnis zwi­ schen Nationalsozialismus und Histo­ rismus schien offenbar. Doch schnell folgten Ernüchterung und ein Prozeß gegenseitiger kritischer Betrachtungen und inhaltlicher Differenzierungen , d ie schließlich zu einem Auseinanderge­ hen von maßgeblichen Vertretern des Historismus und des Nationalsozialis­ mus führten. Die wichtigste dogmengeschichtliche Entwicklung in den dreißiger Jahren war zweifellos die Entstehung des Key­ nesianismus. Jede Untersuchung der Geschichte der deutschen Volkswirt­ schaftslehre in den dreißiger Jahren hat, bevor sie Veränderungen in dieser Zeit einseitig und vorschnell dem natio­ nalsozialistischen Einfluß zuschreibt, diese übergeordnete Entwicklung zu beachten. Zu bedenken, so Janssen, ist gleichzeitig aber auch, daß das Be­ wußtsein , einen dogmengeschichtli­ chen Epochenwechsel zu erleben , in­ nerhalb der deutschen Volkswirt­ schaftslehre schon einige Jahre vor Er- 600 24. Jahrgang ( 1998), Heft 4 scheinen des Hauptwerkes von John M. Keynes, der 'General Theory', ver­ breitet war. Die Vorworte und Einleitun­ gen der deutschen volkswirtschaftl i­ chen Literatur unmittelbar nach der na­ tionalsozialistischen Machtübernahme belegen das. Die Sekundärliteratur hat bisher kaum beide Entwicklungen, die natio­ nale und die globale, zugleich bedacht und so die Entstehung und Entwicklung der 'neuen' Wirtschaftslehre in Deutschland in zwei weitgehend von­ einander getrennt gehaltenen Zusam­ menhängen diskutiert. Dieses hat Jans­ sen jedoch im letzten Kapitel seiner Untersuchung anders gehalten. Der eine Teil der Literatur betrachtete die deutsche Volkswirtschaftslehre der dreißiger Jahre weitgehend unter Aus­ schluß der Wirtschafts- und sozialpoliti­ schen Vorgaben des Nationalsozialis­ mus und schrieb statt dessen eine Ge­ schichte des deutschen Keynesianis­ mus als einen durch die Weltwirt­ schaftskrise angestoßenen Ablösungs­ prozeß von klassisch-neoklassischen Grundpositionen. Der andere Teil der Literatur befaßte sich explizit mit dem Einfluß des Nationalsozialismus auf die Volkswirtschaftslehre, mit der 'völki­ schen Lehre' und dem 'Deutschen So­ zialismus', ignorierte, so Janssen, aber fast vollständig d ie Entwicklung der theoretischen Bausteine der 'neuen' Wirtschaftslehre in Deutschland. Dafür wurde der politische Gehalt der neuen Lehre lebhaft und kontrovers diskutiert. Werner Krause hat dabei die bis heu­ te vertretene These aufgestellt, daß der Ökonomie in den dreißiger Jahren die Aufgabe zugefallen sei , "die staatliche Einmischung in d ie Wirtschaft" zu rechtfertigen und das "Verhältnis Staat und Wirtschaft in apologetischer Wei­ se" dazustellen ( 1 0). Diese These traf auf heftigen Widerspruch und wurde zuletzt von Christina Kruse "als weitge­hend unbegründet verworfen" ( 1 1 ). Die Arbeiten der Wirtschaftslenkung sollten