24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Partei , die ein schulmäßiges Ausbil­ dungsspektrum für ihre Funktionäre und Vertrauensleute aufbaute und eine langfristig ausgelegte anstaltsmäßige Eliterekrutierung ihres Führungsperso­ nals durch spezifische Institute auf den Weg brachte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr fast das gesamte Spektrum der Bund­ und Anstaltseliten der Ersten Republik eine Restauration. Langfristig stellt Stimmer jedoch einschneidende Um­ gewichtungen und Modifizierungen fest: Nach 1 945 steht der Dominanz des bundhaften El itetyps ein fortgesetz­ ter Bedeutungsverlust der Anstaltseli­ ten gegenüber. Die Dominanz der Bundeliten verdeckt allerd ings tiefge­ hende Differenzen innerhalb d ieses Spektrums: H ier wurden die aus Monar­ chie und Erster Republik tradierten Konfl iktmuster erneut aufgenommen und mit dem Ziel einer "eliteninternen Flurbereinigung" ausgetragen. Diese Auseinandersetzungen sind, so Stimm­ er, bis heute innerhalb des katholischen El itespetrums besonders evident. Als entscheidend für die Kontinu ität der Rekrutierungsfunktion bestimmter, sich innerhalb ihres ursprünglichen ideolog ischen El itespektrums durch- Wirtschaft und Gesellschaft setzender El itegruppen sieht Stimmer die bereits in der Ersten Republik aus­ geprägte Fähigkeit zur flexiblen Ver­ knüpfung personaler, werthaft-reprä­ sentativer Rollen mit funktional-tech­ nokratischen Karrierverläufen und Qual ifikationsmustern innerhalb der Entscheidungsprozesse der Zweiten Republik, die sich als Parteien- und Verbändestaat darstellt. Die diskrimi­ nierten Kategorien der bundhaft- bzw. anstaltsspezifisch geprägten Wert­ und Repräsentationselite verlieren mittlerweile gegenüber einem el itären Funktions- und Leistungsbewußtseins an Bedeutung. Sie werden durch die konsequente Rezeption des westeuro­ päisch-demokratischen Repräsenta­ tivsystems ersetzt. Stimmer ist eine quellengesättigte, theoretisch fundierte Arbeit gelungen, die sehr facettenreich die El iten-Rekru­ tierungsmuster in Österreich seit dem Absolutismus entfaltet und systemati­ siert. Die tiefgehenden Befunde konn­ ten in diesen wenigen Zeilen nur an­ satzweise wiedergegeben werden. I n­ teressierte Leser sollten sich durch den Umfang von über tausend Seiten nicht abschrecken lassen. Jürgen Nautz 605