Wirtschaft und Gesellschaft 25. Jahrgang ( 1 999), Heft 3 Staates bestehen, die sich am Kapital- oder Geldmarkt finanzieren. Der Finanzinvestor würde dem Reali nvestor gewissermaßen das Geld direkt überreichen , um damit das langfristige Projekt zu finanzieren , das er wegen dessen hohen Gegenwartswertes finanzieren wil l . Der Fi nanzi nvestor weiß, welches d ie produktivsten Verwendungen für sein Kapital sind, also diejenigen mit dem höchsten Gegenwartswert des Cash-flows. Er investiert in diese Titel. Der Markt ist effizient. Eine zwischenzeitliche Loslösung des I nvestors von seinem Engagement ist nicht beabsichtigt; Liquidität des Fi­ nanzmarktes ist ü berflüssig. Zwischen der Effizienz und der Liquidität eines Finanzmarktes besteht daher ein Widerspruch, der schon Keynes zu fol­ gender Äußerung veranlaßte: "Das Schauspiel moderner I nvestitionsmärkte hat mich hie und da zu der Folgerung getrieben, daß die Unauflösbarkeit des Kaufes einer I nvestition, von Todesfällen und anderen schwerwiegenden Gründen abgesehen, nach dem Vorbild der Heirat, ein g utes Heilmittel gegen die Übel u nserer Zeit sein könnte. Denn dies würde den I nvestor zwingen, seine Aufmerksamkeit den langfristigen Aussichten, und nur diesen zuzuwenden."28 Es stellt sich n u n aber die Frage, ob die Liquidität der Fi nanzmärkte, m . a .W. i h re Funktion für den Einzelinvestor, seine Beteil igungen an fixem Kapital jederzeit wieder in Geld zurückverwandeln zu können , tatsäch l ich als Ursache für den Effizienzmangel d ieser Märkte angesehen werden kan n . Im Grunde scheinen der Mangel an Effizienz u nd das Bedürfnis nach Liquid ität aus derselben Wurzel zu erwachse n : der N icht-Ergod izität der Welt, an welcher nichts zu ändern ist. Wäre es nicht möglich, daß die Fi nanzmarktinvestoren, obwohl sie die von S u m mers (im Eingangszitat dieses Artikels) sogenannten fundamental va/ues niemals wirklich kennen, da sie d ie Zuku nft n icht berechnen können, und obwohl sie aufgrund dieser Unsicherheit auf der Liquidierbarkeit i h rer Engagements bestehen, sich trotzdem "rechnend , wo sie es können, oder aber zurückfallend auf Laune, Gefühl oder Zufall" an ihnen zu orientieren versuchen? Wären nicht Finanz­ märkte vorstellbar, auf denen Liq u idität gewährleistet ist, auf denen die Ak­ teure aber trotzdem nur langfristige Engagements in Titel mit den besten Fundamentaldaten eingehen? Könnte man in diesem Fall n icht zumindest von einer "Quasi-Effizienz" der Finanzmärkte sprechen? Wie sich herausstellen wird, zielen diese Fragen in die richtige Richtung und decken auch den eigentlichen Mangel in der Finanzmarktarchitektur auf. Aber letztl ich ist es - diesen Erwägungen zum Trotz- doch d ie Liquid itäts­ nähe der Titel, die selbst eine "Quasi-Effizienz" der Finanzmärkte konterka­ riert. Denn wenn alle Engagements problemlos l iquidiert werden können, so verspricht ein ganz spezielles Verhalten den Finanzi nvestoren den höch­ sten Gewi n n . Keynes u nterscheidet zwei Verhaltensweisen von F inanzmarktakteu re n : d ie "U nternehmungslust" , das ist die "Tätigkeit der Voraussage des voraussichtlichen Erträgnisses von Vermögensbeständen während ihrer ganzen Lebensdauer'' und die "Spekulation", die "Tätigkeit der Voraussage der Marktpsychologie".29 Keynes würde sich ein Ü berwiegen der "U nternehmungslust" wünschen, denn auch wenn diese sich "(k)aum 272