Wirtschaft und Gesellschaft 25. Jahrgang ( 1 999), Heft 4 te Ergebnis tragen wü rden . Es würden aber auch mehr E ntscheid u ngs­ rechte an die Teamleiter delegiert, was ebenfalls zu Lohnunterschieden in­ nerhalb der Gruppen ähnlich ausgebildeter Arbeiter führen würde. Im Lichte der Krugman-Hypothese interessanter ist aber der Zusammen­ hang zwischen den durch tech nologischen Fortschritt hervorgerufenen Än­ derungen der Arbeitsorganisation und der Arbeitsmarktsituation u nqualifi­ zierter Arbeiter. Lindbeck u nd Snower ( 1 996) zeigen, daß durch Organisa­ tionsänderungen der relative Lohn unqualifizierter bzw. nur auf eine Tätigkeit spezialisierter Arbeiter sowie deren Beschäftig u ng sinken kan n . Walther ( 1 997) weist allerdings darauf hin, daß die Qual ifikation von Beschäftigten zumindest zwei Dimensionen hat. Einerseits seien vermutlich die Mindest­ anforderungen an vielseitig verwendbares Wissen, welche beispielsweise Teamarbeit überhaupt erst produktiv machten (z. B. Allgemeinbildung, Kom­ munikationsfähigkeit), im Zeitablauf gestiegen , andererseits seien Spezia­ l isierung bzw. spezifisches Wissen notwendig , um die bereits von Adam Smith ( 1 937) in seiner 1 776 erschienenen Abhandlung 'An inquiry into the nature and causes of the wea/th of nations' betonten positiven Effekte einer Arbeitsteilung wirksam werden zu lassen. Eine nur eindimensionale Be­ trachtung der Arbeitsqualifikation im Sinne von den in Lindbeck und Snower ( 1 996) modellierten l nformationskomplementaritäten verschiedener Tätig­ keiten suggeriert jedoch fälschl icherweise, daß Spezial isierung in einer komplexer werdenden Arbeitswelt u nwichtiger würde. Zudem setzt das Lind beck-Snower-Modell eine exogene Anzahl an Arbeitsplätzen voraus. Falkinger ( 1 999) hingegen leitet eine negative Abhäng igkeit der Beschäfti­ gung (für eine gegebene Verteilung von Fähigkeiten der Arbeiter) von den Ausbildungsanforderungen an spezifisches Wissen her. H ierzu paßt die sog . '0-Ring'-Theorie von Kremer ( 1 993}, die ihren Namen dem für die Ex­ plosion der Raumfähre 'Challenger' verantwortlichen Bauteil zu verdanken hat. Die Idee ist, daß die Fäh igkeit der am wenigsten qualifizierten Arbeiter ein besonderes Gewicht in der Produktionsfunktion erhält, was dazu fü hrt, daß eine qualifizierte Arbeitskraft nicht durch Unqualifizierte ersetzt werden kann. Wenn also eine Komponente des Produktionsprozesses nicht perfekt ausgeführt wird, reduziert dies die Produktivität aller anderen Tätigkeiten er­ heblich, wie gut diese auch immer ausgeführt werden. Komplexere Firmen­ organisationen , in denen viele verschiedene Tätigkeiten vorgenommen wer­ den, benötigen daher eine homogene Gruppe gut ausgebildeter Arbeitskräf­ te. Kleine Abweichungen in der Produ ktivität der Arbeitskräfte können gro­ ße Lohnunterschiede verursachen. Dies führt selbst bei einer symmetri­ schen Verteilung der Fähigkeiten zu einer sch iefen Einkommensvertei­ lung .30 Man kann sich leicht vorstellen, daß eine Erweiterung dieses Ansat­ zes um technologischen Fortschritt, der mehr Tätigkeiten im Produktions­ prozeß und somit Prod ukte höherer Qualität erlaubt, eine sich dramatisch verschlechterte Arbeitsmarktsituation der U nqualifizierten erklären kan n . Falkinger u n d G rassmann ( 1 999) zeigen, d a ß erhöhte Qualifikationsan­ forderungen in modernen Firmenorganisationen zu einem grundsätzlichen Beschäftigungsproblem u nqualifizierter Arbeiter führen können. ln dem Mo- 436