26. Jahrgang (2000), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft Lebenslanges Lernen in �sterreich Ans�tze und Strategien im Lichte neuerer Forschung Lorenz Lassnigg Die Herausforderung der Entwicklung und Umsetzung von Strategien des Lifelong Learning ist seit l�ngerem bereits zu einem ziemlich allgemein ge� teilten Bestandteil der politischen Rhetorik quer �ber die meisten politischen Richtungen geworden. Das Schlagwort des Lifelong Learning bezeichnet in der einschl�gigen Diskussion einen umfass?nden bildungspolitischen Neu� ansatz, der sich nicht nur auf den Bereich der Weiterbildung von Erwach� senen, sondern auch auf die Erstausbildung bezieht. ln den letzten f�nf bis zehn Jahren haben sich viele Forschungen und �berlegungen zu einer Art politischen Programmatik geb�ndelt, die bei aller Komplexit�t der Proble� matik ziemlich klare allgemeine Weichenstellungen vorschl�gt.1 ln einem neueren Europ�ischen Dokument wird eine sehr breite Definiti� on von Life/ong Learning vorgeschlagen: jede zielgerichtete Lernaktivit�t, ob formal oder informal durchgef�hrt, mit dem Ziel der Verbesserung von Wis� sen , F�higkeiten und Kompetenzen.2 Diese Defin ition geht vom lebenslan� gen Lernen "von der Wiege bis zum Grab" aus und schlie�t im Prinzip so� wohl die Erstausbildung als auch die Weiterbildung ein. W�hrend diese Defin ition im wesentlichen die Kategorien von Lern� aktivit�ten umschreibt, die subsumiert werden sollen, gibt die OECD auf der Basis einschl�giger Literatur sechs allgemeine Elemente als gemeinsamen Kern der meisten Interpretationen dieses Begriffs an , die auch qualitiative Aspekte ansprechen:3 1 . ) Lernprozesse von "intrinsischem" Wert, im Gegensatz zu einer rein "in- strumentellen" Interpretation; 2 . ) Universeller Zugang zu den Bildungsprozessen; 3.) Bedeutung von n icht-formalisiertem Lernen; 4.) Vielfalt von Lehr-Lernmetheden und -mitteln; 5.) F�rderung der pers�nl ichen Voraussetzungen f�rweiteres Lernen, m�g� l ichst selbstorganisiert und unabh�ngig; 6.) Abgrenzung gegen�ber Konzepten abgeschlossener Bildung ("front end educational philosophies"). 233