26. Jahrgang (2000) , Heft 2 schieht. Damit kommen wir auch schon zur Praxisrelevanz von Clustern für die österreichische Wirtschaft. Abgesehen von Untersuchungen, die belegen wollen, daß die heimische Wirtschaft fast lük­ kenlos aus Clustern besteht, wo doch bekannt ist, daß Österreichische Firmen eherwenig kooperationsfreudig sind, wä­ ren die beiden bekannten Automobilclu­ ster in Oberösterreich und vor allem in der Steiermark erwähnenswert. Auf Lan­ desebene gibt es immerhin Ziele, Kon­ zepte und auch Förderungen, wenn man sich auch in einem "Europa der Regio­ nen" fragen muß, ob es sinnvoll ist, für jedes Bundesland, das - im europäi­ schen Kontext gesehen -eine sehr klei­ ne Region darstellt, einen eigenen Clu­ ster zu definieren und zu fördern, wobei Kooperationen zwischen Firmen der ein­ zelnen Landescluster eher die Ausnah­ me als die Regel sind . Anhand der Lan­ deskonzepte, die d ie Aufgaben des je­ weiligen Clusters definieren, läßt sich al­ lerdings ganz gut erkennen, worum es sich inhaltlich handelt. Beispielsweise definiert sich der ober­ österreichische Automobilcluster (auf seiner eigenen Hornepage) wie folgt: "Der Automobil-Cluster (AC) ist ein branchenübergreifendes Netzwerk von industriellen Leitbetrieben und deren di­ rekten und indirekten Zulieferem im Be­ reich straßengebundener Fahrzeuge, das sind PKW, LKW, Sonder- und Spe­ zialfahrzeuge sowie Motorkrafträder. Aufgaben des Clusters sind: 1 . Information und Kommunikation: Da­ tenbank mit Firmendaten der AC-Part­ ner, Präsentation des AC im Internet, AC-Firmenkatalog, Betriebsbesichti­ gungen, Kooperations- und Zuliefer­ börse. 2. Qualifizierung: Einführung spezieller Bildungsangebote, Fachveranstaltun­ gen, Workshops, lnter-company­ learning, Studienreisen . 3. Kooperationen: lnitiierung, Entwick­ lung und Betreuung von Kooperations­ projekten zwischen Unternehmen und Wirtschaft und Gesellschaft mit Technologietransfer-Einrichtungen (z.B. in den Bereichen F&E, Produkti­ on, Marketing, Logistik, Qual ifizie­ rung, Organisation und lnformations­ tectmologie, Internationalisierung). 4. Marketing und PR: Erstellung von AC­ Informationsmaterial, Positionierung des Automobil-Clusters im ln- und Ausland, PR-Arbeit. 5. Internationalisierung: Internationale Repräsentation des Automobil-Clu­ sters, Beteiligung an internationalen Kooperationsbörsen, Unterstützung von Unternehmen bei der Internationa­ lisierung, Bearbeitung von Anfragen aus dem Ausland bezüglich Koopera­ tionspartnern und Betriebsansiedlung, Vernetzung mit ausländischen Auto­ mobilinitiativen." Man darf die Initiativen auf Länderebe­ ne jedoch nicht unterschätzen - besser ein kleiner, als gar kein Ansatz, wenn es in die richtige Richtung geht. Längerfri­ stig sollten solche Initiativen aber zumin­ dest länderübergreifend organisiert wer­ den, wobei der Bund eine koordinierende Rolle einnehmen könnte. Das ist kein leichtes Unterfangen , solange Landes­ förderungen eine dominierende Rolle spielen. Ob es sich bei den regionalen Auto­ mobilcluster-Konzepten tatsächlich um zielführende wirtschaftspolitische Ansät­ ze handelt, wird vor allem von Tichy ("Clu­ sters: Less Dispensable and More Risky than Ever") kritisch hinterfragt. Seiner Ansicht nach sind Cluster in einem en­ gen Zusammenhang mit der Produktle­ benszyklus-Hypothese zu sehen. Je rei­ fer ein Produkt, umso standardisierter der Produktionsprozeß und umso weni­ ger wichtig werden der Einsatz von hoch­ qualifizierter Arbeit und die Existenz hochentwickelter Informationsnetzwer­ ke. Am Ende des Produktlebenszyklus dominieren - im Zusammenhang mit der Massenproduktion ( economies of scale) -eher die Kostenfaktoren, und eine Ver­ lagerung der Produktion in eine kosten­ günstigere Region bzw. das Einsetzen 3 1 9