26. Jahrgang (2000), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft beispielsweise während der Österreichischen EU-Ratspräsident­ ? .chaft, fixer Bestandtei l der Präsentation des "Erfolgsmodells Osterreich" durch beide damalige Koalitionsparteien. Trotz teilwei­ ser Identität der Akteure hat die neue Bundesregierung nun offen­ sichtlich einen anderen Weg eingeschlagen, nämlich den der Zu­ rückdrängung der Sozialpartner. Verhaltene Entwicklung des Arbeitsvolumens Die Verbesserung der Arbeitsmarktlage, wenn man in Personen bzw. Beschäftigungsverhältnissen rechnet, war allerd ings von starken strukturellen Verschiebungen geprägt. Bis 1 998 war die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze rückläufig. Das war mit ein Grund für das gleichzeitige Wachsen der Zahl der Beschäftigungsverhält­ nisse und der Arbeitslosen. Die Arbeitslosen suchten überwie­ gend Vollzeitarbeitsplätze, während die neuen Teilzeitarbeits­ plätze aus der sti l len Reserve besetzt wurden. Das Arbeitsvolu­ men stieg nur wenig. Erst 1 999 ist auch die Zahl der Voll­ zeitarbeitsplätze wieder gestiegen, was entscheidend für den Rückgang der Arbeitslosenzahlen gewesen sein dürfte . Es ist also zu einer Arbeitsneuverteilung gekommen, die einerseits die Flexibil ität des Österreichischen Arbeitsmarktes zeigt, aber zumin­ dest teilweise auch unfreiwil l ig war. Der Zuwachs bei der Teilzeit­ beschäftigung wurde fast zur Gänze von Frauen getragen. Proble­ me bei der Vereinbarkeit von Beruf und Famil ie, insbesondere der Mangel an (finanzierbaren) Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Mobilitäts-einschränkun-gen engen den Entscheidungsspielraum arbeitssuchender Frauen oft beträchtlich ein. Engpässe l n letzter Zeit ist wieder verstärkt von Engpässen auf dem Ar­ beitsmarkt die Rede: Die Arbeitslosen seien für die neu entstehen­ den Arbeitsplätze zu wenig qualifiziert. Auf den ersten Blick scheint d ie Statistik das zu erhärten: Nach den Jahresdaten 1999 des Arbeitsmarktservice waren in Österreich fast die Hälfte der Arbeitslosen ohne Berufsausbildung. Die Arbeitslosen sind jedoch nur ein Tei l des Personenkreises, welcher für Vermittlungen zur Verfügung steht. Zunächst einmal sollte erwähnt werden, daß manche Arbeitge­ ber anscheinend nie geeignetes Personal finden können , egal wie hoch Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsfluktuation auch sein mögen - diese Art von 'Arbeitskräftemangel' ist hinlänglich be­ kannt. Wenn Aussagen über qualifikatorische Engpässe aller­ dings immer öfter und auch aus Fachkreisen zu hören sind, muß man sich mit dieser Frage auseinandersetzen. 325