26. Jahrgang (2000), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft sem - erfolgt bei geeignetem Einsatz des beschäftigungs­ politischen Instrumentariums eine Reintegration der Problem­ gruppen in beständigere Beschäftigungssituationen, und es zeigt sich , daß Marginalisierung nicht konjunkturunabhängig ist. Resümee Da sich mithin die Arbeitsmarktlage deutlich verbessert und die Ausfuhren hohe Steigerungsraten aufweisen, können die von kon­ servativer Seite und den internationalen Organisationen oft zitier­ ten Rigiditäten des Österreichischen Arbeitsmarktes nicht so gra­ vierend zu sein. Die geforderten weiteren drastischen Einschnit­ te bei Löhnen , Kündigungsschutz und Arbeitslosenunterstützung waren offensichtlich für die Arbeitsmarkterholung keine notwendi­ ge Voraussetzung. Es sei aber zugestanden, daß es sich in Zei­ ten großer Arbeitsmarktprobleme anbietet, die Machtbalance auf den Arbeitsmärkten unter diesem Deckmantel neu zu verhandeln . Die Konjunkturaussichten für d ie nächsten Jahre s ind so gün­ stig wie schon lange nicht mehr. Wenn jetzt keine unerwarteten Krisen auftreten und der rigide Sparkurs zur Budgetsanierung das Wachstum nicht zu sehr abschwächen wird, sollte sich die Arbeitsmarkterholung nach allgemeiner Fachmeinung auch in nächster Zukunft fortsetzen. Nachdem in den letzten Jahren noch intensiv erörtert wurde, daß die Arbeitsmarktlage in Österreich zwar erheblich günstiger sei als in den meisten anderen EU-Län­ dern, man sich aber vom Ideal der Vollbeschäftigung woh l auf lan­ ge Zeit verabschieden müsse, scheint diese Möglichkeit mit einem Mal wieder in greifbare Nähe zu rücken. Für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktsituation ist es erstens wichtig, daß nicht jeder Aufschwung durch Maßnah­ men der Makropolitik, insbesondere durch mangelnde internatio­ nale Koordinierung, gleich in der Anfangsphase wieder abgewürgt wird. Zweitens ist es erforderlich , daß die erfolgversprechenden Ansätze der aktiven Arbeitsmarktpol itik, die in den letzten Jahren entwickelt worden sind, nicht abgebrochen, sondern fortgesetzt und notfalls intensiviert werden. 327