Wirtschaft und Gesellschaft 26. Jahrgang (2000), Heft 3 ler Personen, Gruppen, Regionen und Staaten . Die neueste Schlagwort­ kreation "Giocalisation" ("Giobalisation" plus "Localisation") weist darauf h in , daß Produktionsstandortentscheidungen nicht nur globalisiert werden , sondern dabei Produktion (Einkommensentstehung) und - modifiziert durch interregionale Einkommenstransfers - Einkommensverwendung auch regional konzentriert werden (z.B. die "Wohlstandsbanane" London­ Frankfurt - München oder der "Winners' Cluti' der wachsenden OECD­ Wirtschaften). Ebenso geht bei Aggregation Information über die Qualität der Marktproduktion verloren - zumindest, wenn man nicht wohl informierte Konsumentinnen und optimale Preise unterstellt, welche bei vollkomme­ nem Marktwettbewerb die Wertschätzung der optimal informierten Nach­ fragerinnen beim Kauf ausdrücken. Zweitens besteht das Problem, daß der Konsum von Marktprodukten nicht die alleinige Quelle von Nutzen ist. Wohlstand läßt sich - zwar bedingt, aber doch noch vertretbar - durch quantitative Größen (wie Bruttoinlands­ produkt oder Volkseinkommen) ausdrücken. I nsbesondere ist dies ein gangbarer Weg, wenn Haushaltsproduktion, ehrenamtliche Leistungser­ stellung (z.B. Sozialvereine, Nachbarschaftshilfe) und informelle Wirtschaft (Schwarzarbeit) h inzugeschätzt werden. Doch Wohlfahrt als Ausdruck des Gesamtnutzens eines Kollektivs, der Lebensqualität in einer Gesellschaft oder einem Subsystem von ihr, umfaßt auch, und zwar n icht unwesentlich, qualitative, schwer faßbare Faktoren. So beinhalten etwa die "sozialen Indikatoren" des Österreichischen Statisti­ schen Zentralamts neben materieller Wohlfahrt (Wohlstand) die immateri­ ellen Komponenten Gesundheit, Bildung, Beschäftigung und Arbeitsbedin­ gungen, I nformation und Kultur, Wohn- und Siedlungsqualität, soziale Si­ cherheit, persönl iche Sicherheit und Rechtspflege. Selbst darin sind noch nicht die Umweltqualität und die effiziente Verwendung natürlicher Ressour­ cen berücksichtigt; Preise von Umweltgütern (Marktpreise ebenso wie po­ l itisch-admin istrative Preise in Form von Umweltabgaben) sind insofern nicht optimal , als sie entweder völl ig fehlen oder langfristige Knappheiten nicht signalisieren und Ausrottung durch "Übererntung" nicht notwendiger­ weise verhindern.2 Im qualitativen Bereich der Wohlfahrt sind auch relative Positionen (Wohlfahrtsverteilungen über Personen, Gruppen, Regionen) für die Ge­ samtwohlfahrt erheblich . Und so unterscheiden sich Rangreihungen von Ländern nach der Wohlfahrt deutlich von jener nach dem Wohlstand; sol­ che "Rankings' sind also je nach Verwendung entweder bloß quantitativer, kommerzieller oder aber auch qualitativer, gesellschaftlicher Bewertungs­ kriterien verschieden.3 Zusätzlich ist dabei mitentscheidend und von Bedeu­ tung, daß die Verteilung selbst quantitativer, marktbezogener Größen (wie die personelle Vertei lung des Volkseinkommens oder Finanzvermögens) Einfluß auf die Gesamtwohlfahrt nimmt. Endlich schließt sich der Problemkreis wieder, indem qualitative Wohlfahrt - etwa in Form einer eher gleichmäßigen Verteilung von Wohlstand - auf längere Sicht günstige Rückwirkungen auf die Entwicklung der Markt- 330