26. Jahrgang (2000), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft (2,8% pro Kopf) und 4,4% (5,3% pro Kopf) für den Zeitraum 1 995 bis 1 998 deutlich darunter.9 Bereits diese ersten empirischen Ergebnisse zeigen eine sich in den 1 990er Jahren deutlich verbessernde Dynamik der niederländischen Wirt­ schaft sowohl im Vergleich zur vorangegangenen Dekade, als auch im di­ rekten Vergleich mit Deutschland. Dennoch waren es vor allem die Erwerbstätigenzahlen, die dazu beigetragen haben, daß ab 1 995 neben den USA, Neuseeland und Großbritannien auch die N iederlande zum Vorbild für andere Länder erklärt und fortan vielfach von einem holländischen "Wunder'' gesprochen wurde. 1 0 Während zwischen 1 980 und 1 985 noch ein gesamt­ wirtschaftlicher Beschäftigungsabbau von 5, 1 9 Mio. auf 5 ,05 Mio. Beschäf­ tigte (-2,7%) zu verzeichnen war, hatte sich die Beschäftigung in der zwei­ ten Hälfte der 1 980er Jahre stabilisiert. 1 990 betrug sie 5 ,64 Mio. und wies damit bereits ein Plus von fast 1 2% gegenüber 1 985 und immerhin noch ein Plus von 8,8% gegenüber 1 980 auf. Bis 1 998 stieg die Beschäftigung mit 6,59 Mio. sogar auf einen historischen Höchststand (+30,4% gegenüber 1 985 und immer noch + 14% gegenüber 1 991 } . 1 1 ln Deutschland hatte sich die Beschäftigung zunächst ähnlich entwickelt: Zwischen 1 980 und 1 985 war ebenfalls ein Rückgang von 27, 1 Mio. auf 26,6 Mio. Beschäftigte zu ver­ zeichnen, der mit minus 1 ,7% sogar noch weniger stark ausgefallen war als in den N iederlanden . Der Anstieg der Beschäftigung bis 1 990 (altes Bun­ desgebiet) auf 28,5 Mio. Beschäftigte lag allerdings bereits deutlich unter dem der Niederlande ( + 7% gegenüber 1 985; +5,3% gegenüber 1 980). Wäh­ rend die Beschäftigung in den 1 990er Jahren in den Niederlanden ihre höch­ sten Zuwachsraten zu verzeichnen hatte, nahm sie im vereinigten Deutsch­ land ab, näml ich von 37,8 Mio. 1 991 auf nur noch 35,9 Mio. im Jahr 1 998 (-5%), was eine Wachstumsdifferenz von immerhin 1 9 Prozentpunkten ge­ genüber den N iederlanden bedeutet. 12 Die Entwicklung des Arbeitsvolumens, also der Gesamtheit der geleiste­ ten Arbeitsstunden pro Jahr, weist in die gleiche Richtung: l n den Niederlan­ den nahm das Arbeitsvolumen zwischen 1 980 und 1 985 noch um 7,2% ab (von 8,06 Mrd . auf 7,48 Mrd. Stunden}, stieg dann aber bis 1 990 um 9,4% auf 8, 1 9 Mrd . Stunden an, bis 1 998 sogar auf 8,94 Mrd. Stunden (+7,7% gegen­ über 1 991 } . 1 3 ln der Bundesrepublik dagegen war der dekadenüber­ greifende Trend eines abnehmenden Arbeitsvolumens vorherrschend: Im Zeitraum 1 980 bis 1 985 nahm es mi t m inus 4,9% (von 47,2 Mrd. Std. auf 44,9 Mrd. Std.) zwar in geringerem Maße ab als im vergleichbaren Zeitraum in den Niederlanden , erreichte dann aber bis 1 990 mit nur 45,9 Mrd . Std. oder plus 2,2% gegenüber 1 985 nicht einmal mehr das N iveau von 1 980. Auch nach der Vereinigung setzte sich der Trend eines abnehmenden Ar­ beitsvolumens fort. Wurden 1 991 im vereinten Deutschland noch 59,2 Mrd. Arbeitsstunden geleistet, waren es 1 998 mit 56, 1 Mrd. Arbeitsstunden 5,2% weniger, während das Arbeitsvolumen der Niederlande in diesem Zeitraum um fast 8% zulegte, so daß hier ein niederländisch-deutsches Wachstums­ gefälle von rund 1 3 Prozentpunkten zu verzeichnen war. 14 345