26. Jahrgang (2000), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft einzuholen . Auch wenn die Regierung schon damals nicht an dessen Emp­ fehlungen gebunden war, prädisponierten einvernehmliche Gutachten de facto in hohem Maße das Regierungshandeln.23 Seide Institutionen haben über die Jahre hinweg maßgeblich dazu beige­ tragen, ein in Deutschland kaum vorstel lbares produktives Vertrauensklima zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zu schaffen , so daß wirt­ schaftliche und soziale Probleme frühzeitig diskutiert werden konnten und gemeinsam nach einer für alle Seiten tragbaren Lösung gesucht werden konnte.24 2.2 Die Entwicklung der Arbeitskosten Für die gegenwärtige Entwicklung in den Niederlanden ist besonders der aus der "Stiftung der Arbeit" hervorgegangene "Akkord van Wassenaar" aus dem Jahr 1 982 von Bedeutung. Dieser Vertrag zwischen Regierung und Sozialpartnern begründete eine "Renaissance der bilateralen Zusammen­ arbeit der Sozialpartner",25 obwohl er lediglich allgemeine, allerdings von Arbeitgebern und Gewerkschaften gemeinsam getragene Absichtserklä­ rungen enthielt, die inhaltlich sehr stark an den Zielkatalog im deutschen "Gesetz zur Förderung der Stabil ität und des Wachstums der Wirtschaft" aus dem Jahr 1 967 erinnern. 26 Erst M itte der neunziger Jahre wurde seine große strategische Bedeutung erkannt. Rückblickend gi lt er als die "Mutter aller Abkommen"27 und als Auslöser des niederländischen Modells. Mit dem Wassenaar-Vertrag wurde eine Phase anhaltender Lohnzurückhaltung sei­ tens der Gewerkschaften bei gleichzeitig starker Ausweitung der Tei lzeit­ beschäftigung eingeleitet. Obwohl die Lohnstückkosten in den Niederlanden aufgrund dieser korporatistisch vereinbarten Lohnzurückhaltung deutlich langsamer anstiegen als im Ausland, griff die Regierung 1 993 noch einmal in die Lohnverhandlungen ein, und verordnete für 1 994 einen Lohnstopp. Um das von der Regierung mit höchster Priorität verfolgte Ziel einer Sen­ kung der Arbeitskosten im internationalen Vergleich durchzusetzen, wurden darüber hinaus auf ihren Druck hin in verschiedenen Branchen neue Niedriglohngruppen eingerichtet.28 Auch wenn in den achtziger Jahren Ein­ schnitte bei den Sozialleistungen und beim Mindestlohn n icht verhindert werden konnten, blieben die Koppelung der Sozialleistungen an die allge­ meine Lohnentwicklung sowie der gesetzliche Mindestlohn jedoch grund­ sätzlich in Kraft, was die Zustimmung der Gewerkschaften zu den Maßnah­ men erleichtert haben dürfte.29 Als Folge dieser Maßnahmen stiegen die Lohnstückkosten in den Nieder­ landen deutlich langsamer als bei ihren wichtigsten Handelspartnern.30 Im Zeitraum 1 980 bis 1 996 ergab sich ein Anstieg der Lohnstückkosten in den Niederlanden um 27%, während sie im gleichen Zeitraum in Westdeutsch­ land um 48% zunahmen.31 Da Anfang der 1 980er Jahre der Wechselkurs des Gulden an die Deutsche Mark gekoppelt worden war, wurde durch die unterschiedliche Entwicklung bei den Lohnstückkosten als Folge der anhal­ tenden niederländischen Lohnzurückhaltung - und nicht etwa als Folge ef- 347