Wirtschaft und Gesellschaft 26. Jahrgang (2000), Heft 3 ren . Hierzu gehört zum einen die in hohen Zahlen zu Buche schlagende Inaktivierung des Erwerbspersonenpotentials durch anerkannte Invalidität, von Günther Schmid als "»malthusianischer« Ansatz" der Arbeitsum­ verteilung bezeichnet,64 und zum anderen der konsequente Ausbau der ak­ tiven Arbeitsmarktpolitik vor allem durch den n iederländischen Sozial­ minister Melkert (sog. Melkert-Jobs) in den 1 990er Jahren. Die Hürde für die Anerkennung von Invalidität mit der Folge der Früh­ verrentung liegt in den Niederlanden trotz verschiedener Maßnahmen der Regierung in den 1 990er Jahren, die Frühverrentung zu erschweren ,65 bis heute sehr niedrig. Die Beschäftigungsquote älterer Menschen in den Nie­ derlanden gehört weiterhin zu den niedrigsten in der OECD, die Ausgaben für I nvalid ität mit nahezu 5% des B IP gleichzeitig zu den höchsten. Wäh­ rend 1 980 noch 60% der Männer zwischen 55 und 65 gearbeitet haben, wa­ ren es Ende der 1 990er Jahre nur noch rund 40%.66 Mit Blick auf die Ar­ beitslosigkeit verweist die OECD in ihrem jüngsten Länderbericht über die Niederlande auf diesen Schwachpunkt des niederländischen Modells: "As noted in previous Surveys, the abnormally high incidence of disabil ity stands out as the weak spot of the Dutch welfare system, entai l ing detrimental effects on the country's market performance. ( . . . ) Clearly, the disabil ity scheme has played a special role in the Netherlands as a cushion for unemployment."67 Hier liegt auch der Grund, warum die "erweiterte Arbeits­ losenquote", also die Summe aus Arbeitslosen, Erwerbs- und Berufsunfä­ higen, Sozialhi lfeempfängern, Frühverrenteten und Personen in subventio­ nierter Beschäftigung, seit 1 985 bei rund 27% verharrt, 68 während die nach OECD standardisierte Arbeitslosenquote -wie eingangs erwähnt - mittler­ weile die 5°/o-Marke deutlich unterschritten hat. Für Deutschland lag die brei­ te Arbeitslosenquote im Jahr 1 996 - trotz deutscher Vereinigung - bei nur 22%,69 während die standardisierte Arbeitslosenquote aber oberhalb von 9% verharrt. Hinsichtlich der den Ersten Arbeitsmarkt entlastenden aktiven Arbeits­ marktpolitik, die bis zur Schaffung eines öffentlichen Beschäftigungssektors reicht, sind vor allem vier Programme (Melkert I bis VI) zu nennen.7° Melkert I l ief bis Ende 1 998 und war auf die Schaffung von 40.000 regulären Dauer­ arbeitsplätzen für Langzeitarbeitslose im öffentlichen Sektor gerichtet; Melkert I I suchte durch auf längstens zwei Jahre befristete finanzielle und steuerliche Anreize private und öffentliche Arbeitgeber zur Einstel lung schwer vermittelbarer Arbeitsloser zu bewegen, wobei die Entlohnung max. 1 20% des gesetzlichen Mindestlohns und die Förderprämie höchstens 6.000 Gulden pro Jahr betragen durften (l ief ebenfalls 1 998 aus) ; Melkert I I I und IV sind bis Ende 2000 vorgesehen; Melkert 1 1 1 fördert die Übernahme eh­ renamtlicher Tätigkeiten durch Sozialhi lfeempfänger, wobei die Sozialh i lfe als Lohn weitergezahlt wird; Melkert IV schl ießlich subventioniert die Be­ schäftigung schwer vermittelbarer Langzeitarbeitsloser im Bereich haus­ halts- und personenbezogener Dienstleistungen in Privathaushalten . Für ältere Menschen , für die eine Umschulung n icht mehr sinnvoll erscheint, konnten seit 1 990 über 1 4.000 zusätzliche Stellen im öffentlichen Sektor 352