Wirtschaft und Gesellschaft 26. Jahrgang (2000), Heft 3 rung der Demokratischen Union DU, zu der auch der neue Premier Jozef Moravcik gehörte, bis h in zu der postkommunistischen Demokratischen Linken, der SLD. Der neuen Regierung, die auf die stillschweigende Unter­ stützung der ungarischen Minderheitsparteien zählen konnte, vertrauten im Apri l immerhin 54%, fast soviel, wie Meciars Mannschaft zu Beginn der Un­ abhängigkeit erzielt hatte. Obwohl die Regierung insgesamt wenig an Ver­ trauen einbüßte, manövrierte sie sich in eine heikle Situation. Wie bereits vorne erwähnt worden ist, verlor sie vor allem durch ihre stabil itätsorientierte Wirtschafts- und Sozialpolitik an Unterstützung. Sie konnte damit die gesell­ schaftlichen Erwartungen auf eine Verbesserung der materiellen Bedingun­ gen nicht erfüllen. So konnte Meciars Partei wieder zulegen, während vor allem die SLD durch die im Frühling erfolgte Abspaltung einer l inkspo­ pul istischen Gruppierung, der Arbeiterunion ZSR, Einbußen hinnehmen mußte. Meciar, Experte in politischen Comebacks, schaffte es erneut, sich mit einem aufwendigen, aggressiv-popul istischen Wahlkampf in die vorder­ ste Front der politischen Auseinandersetzung zu stellen.27 Die Beteil igung fiel bei den Wahlen von Ende September mit 75% denn auch hoch aus. Von den 1 8 Parteien und Koalitionen, die an den Wahlen tei lnahmen, konnten 7 die Prozenthürde überschreiten. M it der zentrumsorientierten DU und der l inkspopulistischen ZRS waren zwei neue Parteien dazugekommen (vgl . Tabelle 2) . l n einer Koalition mit der kleinen Bauernpartei RSS errang Meciars HZDS 35,0% der Stimmen, nur gut 2 Prozentpunkte weniger als 1 992. Damit lag sie klar vor dem durch die Postkommunisten der SLD do­ minierten Wahlbündnis SV, Gemeinsame Wahl , mit enttäuschenden 1 0%. Knapp dahinter folgten die ungarische Parteienkoalition und die Christdemo­ kraten . Mit 7% schnitt die ZRS überraschend gut ab, während die rechts­ nationalistische Nationalpartei mit 5% einen Rückschlag hinnehmen mußte. Meciar konnte mit seinem früheren Koalitionspartner, der geschwächten Slowakischen Nationalpartei , keine mehrheitsfähige Regierung mehr bil­ den. Eine Zusammenarbeit mit einer der bisherigen Regierungsparteien kam wegen inhaltlichen und persönlichen Konfl ikten n icht in Frage. Meciar suchte so die Unterstützung der ZRS. Und obwohl diese zuerst in der Op­ position bleiben wollte, näherte sie sich Meciar immer mehr an. Bereits in den ersten Parlamentssitzungen stimmte sie mit der Meciar-Partei, die eine politische Frontalattacke startete. Mißl iebige Führungskräfte in wichtigen Positionen wie den staatl ichen Medien und den Privatisierungsorganen wurden entlassen, bereits beschlossene Gesetze geändert. Die Oppositi­ on protestierte energisch gegen diese Maßnahmen; eine Straßen­ demonstrationen in der Hauptstadt Bratislava - allerdings mit nur gegen 1 0.000 Teilnehmern - unterstrich Mitte November, am fünften Jahrestag der "Samtenen Revolution", den Widerstand gegen den "Meciarismus". Mitte Dezember gelang es Meciar schl ießlich , eine formelle Koalition zu bilden und eine neue Regierung zusammenzustellen, die in ihrer Zusammenset­ zung selbst für Osteuropa ziemlich kurios war. Sie umfaßte neben der klar dominierenden, diffus nationalpopulistisch orientierten Partei Meciars auch die rechtsnationale SNS sowie die l inkspopulistische ZRS. Allerdings hatte 380