Wirtschaft und Gesellschaft Die Determinanten des Wachs­ tums in der Dritten Welt Rezension von: Rudolf Schröder, Konfliktbewältigung, soziokulturelles Erbe und wirtschaftlicher Fortschritt, Mohr Siebeck, Tübingen 1999, 2 13 Seiten, DM 128. Der Autor hat es in diesem Buch unter­ nommen, die Ursachen für die sehr un­ terschiedliche Entwicklung der Länder in der sogenannten "Dritten Weit" heraus­ zuarbeiten. Er ist für diese Aufgabe prä­ destiniert, weil er durch seine leitende Funktion in der Auslandsabteilung eines Kreditinstitutes mit den Prpblemen die­ ser Regionen aus unmittelbarer eigener Anschauung konfrontiert war. Aber auch sein analytisches Herangehen an das Problem erweist sich als sinnvoll, weil er dazu das Instrumentarium der Neuen ln­ stitutionenökonomie (NIE) verwendet. Nach einem ersten Kapitel, das allge­ mein in die Problematik der Entwick­ lungsländer einführt, folgt dann eines über die Bedeutung von Institutionen für politisches Handeln sowie überhaupt das Verhalten von Individuen und Interes­ sengruppen. Sodann widmet er sich den so unterschiedlichen Entwicklungsmu­ stern dieser Länder sowie den Bestim­ mungsg_ründen dafür. Die Okonomien der "Erfolgsländer" Südostasiens wuchsen seit 1 960 unge­ fähr dreimal so rasch wie jene Südame­ rikas und fünfmal schneller als jene Afri­ kas südlich der Sahara. Doch vermoch­ ten diese Staaten nicht nur ihr Einkom­ men drastisch zu steigern, sondern die­ ses auch relativ gleichmäßig zu vertei­ len. Allfällige Krisen , wie die Olpreisstei­ gerungen mit ihren weltwirtschaftliehen Folgen, konnten durch zweckmäßige wirtschaftspolitische Maßnahmen über­ wunden werden. Was waren die U rsa- 254 27. Jahrgang (200 1 ) , Heft 2 chen dieser stetigen und erfolgreichen Entwicklung? Der Hauptgrund lag nach Meinung des Autors darin, daß dort die institutionellen und organisatorischen Voraussetzungen für die wirtschaftliche Expansion ge­ schaffen wurden. Diese Länder errichte­ ten eine entsprechende Infrastruktur und hielten sie auch instand; die Landwirt­ schaft wurde nicht diskriminiert, sondern gefördert - auch durch eine Bodenre­ form. Die Industriepolitik sorgte zunächst im In land für funktionierenden Wettbe­ werb. l n den Anfangsphasen der Indu­ strialisierung wurde zwar eine Schutz­ zollpolitik betrieben, diese aber allmäh­ lich gelockert und schließlich durch eine Exportförderungspolitik ersetzt. Hohe Spar- und Investitionsquoten erleichter­ ten die Expansion, welche auch nicht durch hohe Steuern oder einen überbord­ enden Staatsapparat behindert wurde. Das Humankapital wuchs als Folge einer erfolgreichen Verschulung - Mitte der sechziger Jahre wurden davon schon alle Kinder erfaßt. Diesen Maßnahmen kam die traditionelle hohe Lernbereitschaft in Südostasien entgegen. Die Grundausbil­ dung ergänzte man durch berufsbezoge­ ne Weiterbildung. Die Regierungen dieser Länderfolgten nicht immer demokratischen Prinzipien, zielten in ihrer Politik aber doch zumeist auf die ökonomische Entwicklung des Landes. Der Aufbau einer leistungsfähi­ gen Verwaltung wurde durch die kulturel­ le Tradition dieser Länder erleichtert, welche auch bewirkte, daß sich die Kor­ ruption in Grenzen hielt. Verträge werden nicht nur der Gesetze wegen eingehal­ ten, sondern auch infolge der bestehen­ den informellen I nstitutionen, also Re­ geln. Viele dieser Länder haben Organi­ sationen geschaffen, um die Kooperati­ on zwischen Interessengruppen zu er­ leichtern. Auch gelang es ihnen früh, ein funktionierendes Bankensystem einzzu­ richten. Die Geldinstitute waren häufig staatlich, was für die Produktionsbetrie­ be nur beschränkt zutraf. Die kulturelle