Wirtschaft und Gesellschaft Die Zukunft des Kapitalismus Rezension von: G�nther Chaloupek, Thomas Delapina (Hrsg.), Kapitalismus im 2 1 . Jahrhundert: Ein Survey �ber aktuelle Literatur, Reihe Wirtschaftswissenschaftliche Tagungen der AK Wien, Band 5, Verlag Orac, Wien 200 1 , 88 Seiten, �S 1 9 8 bzw. � 14,39. Der verdienstvolle Band geht auf eine Tagung der Kammerf�r Arbeiter und An� gestellte f�r Wien im November 2000 zu� ?9ck. Ihr lag der Gedanke zugrunde, die Uberlegungen sechs namhafter Sozial� wissenschaftler auf jeweils etwa zehn Seiten kritisch vorzustellen, die im Stile des Schumpeterschen grand designs in seinem Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie aus dem Jahre 1 942 Inter� pretationen �ber die Zukunftsprobleme des Kapitalismus aus heutiger Sicht bieten. Die Auswahl vornehmlich US� amerikanischer �konomen sagt etwas aus �ber die Auffassung der Herausge� ber zum Niveau z.B. deutschsprachiger Beitr�ge in diesem Zusammenhang. Im ersten Beitrag stellt W. Teufelsbau� er zwei neuere Beitr�ge von L. Thurow (1 998, 1 999) vor, der unter (amerikani� schen) �konomen zwar nur wohl gelit� ten ist, aus dessen Feder an der Harvard Business School allerdings seit langem intelligente, in der �ffentlichen Diskussi� on breit wahrgenommene, kritische Zeit� diagnosen stammen (Thurow 1 992) . Eine in den Augen des Rezensenten be� stehende Schw�che des Beitrages von Teufelsbauer sei vorweg vermerkt. Teu� felsbauer steht Thurow eher skeptisch gegen�ber, was aber oft nur in seiner Wortwahl zum Ausdruck kommt. Thu� rows Punkte sind - was des �fteren vom Besprechenden angemerkt wird - im ein� zelnen nicht neu, aber ihre Komposition ergibt doch ein interpretierendes Ge� samtbild. 3 8 2 2 7 . Jahrgang (200 1 ) , Heft 3 Sehr ansprechend ist Teufelsbauers kurzer �berblick der sich seit den 1 970er Jahren st�ndig �ndernden wachstums� bezogenen H�hen und Tiefen in Japan, den USA und Europa. Wer Prognosen wagt, kann eigentlich nur verlieren. Thu� row kritisiert den konservativ-fundamen� talen amerikanischen Kapitalismus un� serer Tage, der dem kreativ zerst�renden rein gewinnorientierten Unternehmer und seinem kurzen Planungshorizont keine regulativen Steine in den Weg legt, auf eine neue Variante des Nachtw�chter� staates (Eigentumssicherung, Sicher� heit) setzt und keine gesamtgesell� schaftlichen, sondern nur die Maximie� rung von individuellen Pr�ferenzen kennt. Das Umfeld wird bestimmt durch neue Technologien, die Globalisierung und de� mographische Ver�nderungen. Thurow interpretiert die Wirkungen und Probleme aus einem quasi-europ�ischen (sozial)� demokratischen Bl ickwinkel. Das Kon� zept des fundamentalen Kapitalismus f�hrt im Verbund mit den genannten drei objektiven Entwicklungen zu katastro� phalen Folgen: einem Sinken der Real� einkommen f�r die breite Masse und ei� ner Verm�genskonzentration bisher un� gekannten Ausma�es. Auch kaufe die Wirtschaftsmacht zunehmend die politi� sche Macht. Der R�ckzug des Staates aus der (Grundlagen-)Forschung sei zu beobachten, ferner das �berhandneh� men der �ffentlichen Altersversorgung aufgrund demographischer Verschiebun� gen, der �bergang zu Teilzeitarbeitsver� tr�gen, das Verschwinden gesicherter Arbeitsverh�ltnisse und eine Eindimen� sionalisierung des Wertekosmos. Thu� row hat hier Ph�nomene im Blick, die sich mit der �blichen Zeitverz�gerung auch in Europa andeuten. Die zentralen tektonischen neuen Weichenstellungen sind bedingt durch das Ende des Kommunismus, der den Kapital ismus durch die Systemkonkur� renz kompromi�bereit stimmte, zu �f� fentlichen Investitionen (Stra�enbau als Verteidigungsaufgabe) anregte und heu-