28. Jahrgang (2002) , Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft Kosten der Osterweiterung - Sprengt die Landwirtschaft den Rahmen? Martin Kniepert, Markus F. Hofreither 1. Einleitung Die Osterweiterung der Europäischen U n ion wird von Pol itikern oft als "Jahrhundertprojekt" bezeichnet, um die damit zusammenhängenden um­ fassenden politischen , wirtschaftl ichen und auch kulturellen Veränderun­ gen anzudeuten. Trotz dieser enormen langfristigen Dimensionen dieses Vorhabens ist d ie tagespolitische Diskussion doch eher auf Details, darunter besonders die kurzfristige Finanzierbarkeit auf der EU-Ebene, fokussiert. Neben der Strukturpol itik spielt dabei die Agrarpolitik eine ent­ scheidende Rolle. Einerseits verfügen die mittel- und osteuropäischen Länder (MOEL) über ein beachtliches Agrarpotenzial , welches bei voller Übernahme der Gemeinsamen Ag rarpolitik erhebliche Budgetmittel bean­ spruchen würde, andererseits steuern sie jedoch aufgrund ihrer geringeren Wirtschaftskraft auf absehbare Zeit vergleichsweise wenig zum EU-Budget bei . Daraus wird teilweise die Frage abgeleitet, ob aus diesem politischen Vorhaben Finanzierungsprobleme in einer Dimension entstehen könnten, die entweder eine vorherige Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik oder der Strukturpolitiken erzwingen oder aber sogar die Erweiterung insgesamt gefährden könnten. Dazu wurde in den vergangenen Jahren eine Reihe von Studien1 ver­ öffentlicht, die nicht unerhebliche Finanzierungsschwierigkeiten für eine Gemeinsame Agrarpolitik einer EU der 27 oder auch nur einer EU der 20 errechneten und auf eine mehr oder weniger entschiedene Reform drängten (DIW-Studie, Dresdner Bank-Studie). Diese Analysen gingen in der Regel von einer vollen Übertragung der Regional- und Agrarpolitik der EU-1 5 auf die Beitrittsländer aus und kamen relativ uniform zum Ergebnis, dass die Osterweiterung entweder eine räumliche Differenzierung der Agrarpolitik - und damit einen Verzicht auf die Gemeinsamkeit - notwendig mache oder es aber eine deutliche Senkung der Beitrittskosten geben müsse. Die EU-Kommission hat in der letzten Zeit wiederholt erklärt, die Erweiterung innerhalb der durch die Finanzielle Vorausschau gegebenen Richtl inien für die Budgetentwicklung finanzieren zu kön nen . Während die 309