28. Jahrgang (2002), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Spillover-Effekte in Stadtagglomerationen: Die Quantifizierung budgetärer Spillovers am Beispiel Wiens Martin Schneider, Doris Vierbauch 1. Einleitung ln städtischen Agglomerationen wie der Region Wien erfüllen Kernstadt und Umland jeweils spezifische Aufgaben und sind dadurch in hohem Maße aufeinander angewiesen. Räumliche, technologische und gesell­ schaftliche Entwicklungen haben zu einer Vielzahl von Verflechtungen geführt. Dazu zählen insbesondere Personen-, Güter- und Informations­ ströme, Einkommensflüsse, fiskalische Ströme sowie Emissionen. Aus Sicht des öffentlichen Sektors spielen Nutzenströme durch die (kostenlose) Inanspruchnahme öffentlicher Leistungen eine wichtige Rolle, da diesen im Hinbl ick auf eine effiziente öffentliche Aufgabenerfüllung eine besondere Bedeutung zukommt. Dabei verlangt das Prinzip der fiskalischen Äquiva­ lenz, dass der Kreis der Nutznießer öffentlicher Leistungen gleich dem Kreis der Zahler und dem Kreis der Entscheider sein sollte. Räumliche externe Effekte (Spillovers) sind die Hauptursache für die Verletzung der fiskalischen Äquivalenz. Sie kommen unentgeltlich, d.h. nicht über Marktbeziehungen zustande. Diese Spillovar-Effekte können positiv oder negativ sein . Positive Spillovars entstehen im Stadt-Umland­ Bereich vor allem im Infrastrukturbereich durch die kostenlose oder nicht kostendeckende Inanspruchnahme von (kommunaler) Infrastruktur im Ver­ und Entsorgungsbereich, Verkehrs-, Gesundheits- und Freizeiteinrichtun­ gen sowie im Sozialbereich durch die höheren Sozialausgaben der Kern­ städte, die auch den Einwohnern der Umlandgemeinden zugute kommen. Negative Spillevers sind hauptsächlich im Umweltbereich (Verkehr, Emis­ sionen, Bodenversiegelung, Versehrnutzung von Boden und Grundwasser) zu finden. Spillevers führen sowohl zu einem Gerechtigkeits- wie auch zu einem Allokationsproblem. Ein Gerechtigkeitsproblem tritt auf, wenn es durch das Auseinanderfallen von Nutzern und Zahlern zu einem gesell­ schaftl ich unerwünschten Verteilungsergebnis kommt. Zu einem Alloka­ tionsproblem kommt es, wenn die Entscheidung über die bereitgestellte Menge eines öffentlichen Gutes nur auf dem Bedarf der eigenen Bevölke- 527