Wirtschaft und Gesellschaft Neu Reg(ul)ieren! Rezension von: Walter Fremuth, Christoph Parak (Hrsg. im Auftrag des Verbandes der Öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs), Regulierung der Deregulierung von lnfrastrukturmärkten: Schiene - Elektrizität - Telekommunikation: Praxishandbuch, Verlag Manz & Verband der Öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs, Wien 2002, xviii + 310 Seiten, € 52. Der ausführliche Titel charakterisiert das Konzept und den Anspruch des Bu­ ches hervorragend, welches in einer Periode der Umbrüche auf den Infra­ strukturmärkten in Österreich erscheint. Wenn hier von Umbrüchen die Rede ist, dann klingt dies zwar auf den ersten Blick nichts sagend, aber trifft hier be­ sonders zu, da man in Österreich seit Jahrzehnten eine stabile und -trotz ge­ wisser Mängel - auch eine ständig ver­ besserte Infrastruktur gewöhnt ist. Die nunmehrige Re-Regulierung die­ ser Bereiche erfolgt unter dem Deck­ mantel eines ökonomischen Kalküls (Credo: Effizienzsteigerung), spiegelt aber im Wesentlichen die Orientierungs­ losigkeit bzw. Ratlosigkeit der Politik wi­ der. Infrastruktur ist schließlich öffentli­ cher Input in private Produktion bzw. für die Haushalte. Die Qualität dieses Input­ faktors ist damit von entscheidender Be­ deutung für die Produktivität des priva­ ten Sektors. (Wirtschafts-)Politisch mit induzierte Strukturbrüche in Sektoren haben oft ungewissen Ausgang, (weniger) für das Management, (mehr) für die Beleg­ schaften. Deshalb muss diskutiert wer­ den - und genau das geschieht in die­ sem Buch, in dem eine Reihe kompe­ tenter Autorinnen mit durchaus unter- 592 28. Jahrgang (2002), Heft 4 schiedlichen Ansichten zur Re-Regulie­ rung Stellung nimmt. Wenn im Folgen­ den nur ausgewählte Beiträge erwähnt werden, ist dies durch die Kürze der Rezension begründet, nicht etwa durch Qualitatsunterschiede. Zentrale Fragestellungen sind jene nach der "richtigen" Regulierung; nach den Zielsetzungen der Regulierung, ins­ besonders wie der .Spagat" zwischen der Erfüllung gemeinwirtschaftlicher Aufgaben (Universaldienste etc.) und den manchmal damit unvereinbaren Wettbewerbseffekten der Deregulierung geschafft werden kann; welche Erfah­ rungen des Auslandes für Österreich von Nutzen sein können; und letztlich die Verstaatlichungsproblematik. Der Be­ handlung der Sektoren Telekommunika­ tion, Rundfunk, Elektrizität, Schienen und Straße ist ein allgemeines Kapitel zur Ökonomie von Infrastruktursektoren vorangestellt. Die Diskussion der Sekto­ ren erfolgt aus historischen, juristi­ schen, betriebswirtschaftliehen und volkswirtschaftlichen Blickwinkeln und variiert mit den Autorlnnen, die zum Teil aus dem Kreise der Regulatoren stam­ men, zum Teil zu den regulierten Unter­ nehmen gehören, was mögliche Kon­ fliktfelder aufzeigt, die oftmals Anlass für Fehlentwicklungen aus der Sicht der Konsumentinnen sind. Die übrigen Au­ torlnnen stammen aus Universitäten, Forschungsinstituten, dem Bereich der Sozialpartner und anderen Institutionen. Die beschriebenen Erfahrungen des Auslandes zeigen unter anderem, dass­ selbst wenn Veränderungen der Regulie­ rungsstruktur sowie dafür geeignete Maßnahmen angezeigt wären-sorgfältig zwischen Verbesserungen der Regulie­ rung und der Stabilität der Regeln abge­ wogen werden muss: Nicht jede Effizi­ enzsteigerung, die von den Regulierten für möglich bzw. von den Regulatoren für sinnvoll erachtet wird, ist aus gesamtwirt­ schaftlicher Sicht auch wünschenswert (insbesondere öffentliche Güterwie Ver­ teilung oder Rechtssicherheit).