28. Jahrgang (2002), Sonderheft Wirtschaft und Gesellschaft Angewendet wurde das neue Wahlrecht erstmalig bei der AK-Wahl 1999/ 2000, die in den neun Kammern im Zeitraum von April 1999 bis zum Mai 2000 durchgeführt wurden. Gegenüber den AK-Wahlen 1994 konnte die Wahlbeteiligung signifikant gesteigert werden und erreichte bundesweit mehr als 49%. Mehr Kontrolle und Transparenz Ein Bundesverfassungsgesetz aus 1994 unterstellte die Gebarung der Kammern hinsichtlich Übereinstimmung mit den bestehenden Vorschriften, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit der Überprüfung des Rechnungshofes, der der jeweiligen Kammervollversammlung über die Ergebnisse der Prü- fung berichtet. Bisher wurden in fünf Arbeiterkammern solche Prüfungen durchgeführt. Bereits mit dem Arbeiterkammergesetz 1992 war das interne Kontrollin- strumentarium der Arbeiterkammern neu gestaltet und mit stark erweiterten Befugnissen ausgestattet worden. Die Transparenz der finanziellen Geba- rung wurde verbessert, die Vorschriften über den Rechnungsabschluss wurden modernen Standards angepasst. Mit dem Bezügebegrenzungsgesetz 1997 wurden die Bezüge der Präsi- denten und der Direktoren im Zusammenhang mit einer umfassenden Re- gelung aller Politikerbezüge in Österreich festgesetzt, wobei die schon bestehenden AK-internen Richtlinien mit diesen Regelungen weitgehend konform waren. Weiters haben gemäß Bezügebegrenzungsgesetz 1997 Rechtsträger, die der Kontrolle des Rechnungshofes unterliegen - und dazu zählt wie erwähnt auch die AK- alle zwei Jahre dem Rechnungshof einen Einkom- mensbericht zu erstatten. Dieser hat die Bezüge oder Ruhebezüge jener Personen zu enthalten, die eine bestimmte Höhe- nämlich jährlich 14 mal 80% des monatlichen Bezugs eines Nationalratsabgeordneten (1998 wa- ren dies Bruttobezüge über ATS 1.120.000,- bzw. 81.395,- €, 1999 über ATS 1.127.486,- bzw. 81.938,- €) - übersteigen. Unabhängig von der Höhe sind auch die Bezüge oder Ruhebezüge von Personen zu melden, die einen weiteren Bezug oder Ruhebezug von einem ebenfalls der Rechnungshofkontrolle unterliegenden Rechtsträger erhalten. Ein solcher Bericht war erstmals für die Jahre 1998 und 1999 zu erstatten, und die AK gehört zu den (wenigen) Rechtsträgern, die dieser Pflicht unter namentlicher Nennung der betroffenen Personen nachgekommen ist. Steigende Nachfrage nach Beratungsleistungen Die Zunahme der Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen ist einer der maßgeblichen Faktoren, die in den letzten zehn Jahren das Leistungs- angebot der AK verändert haben. Dieser Zunahme liegen vor allem lang- fristige Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zu Grunde. Nach dem Ende der Vollbeschäftigung liegt die Arbeitslosenrate seit 1986 stets über 5%, 7