29. Jahrgang (2003), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft BÜCHER Sozialleistungen und Armutsbekämpfung Rezension von: Christina Behrendt, At the Margins of the Welfare State. Social assistance and the alleviation of poverty in Germany, Sweden and the United Kingdom, Ashgate, Aldershot 2002, xiv + 244 Seiten, f 42,50. Dem Sozialstaat wird nachgesagt, er diene der Armutsbekämpfung. Das wird von denen behauptet, die den Sozialstaat verteidigen wollen, aber auch des öfteren von jenen, die ihn l ieber abschaffen oder zumindest wesentlich reduzieren wollen. Erstere fordern unter dem Hinweis auf die vorhandene Armut, dass mehr Geld für Sozialprogramme zur Verfügung gestellt wird, Letztere hingegen neh­ men die existierende Armut als Argu­ ment dafür, dass der Sozialstaat nicht viel taugt. U m die D iskussion zu versach­ l ichen, muss man sich den Zusammenhang zwischen sozialpoliti­ schen Programmen und dem Ausmaß von verbleibender Armut genauer anschauen. Das hat Christina Beh­ rendt in "At the Margins of the Welfa­ re State" getan. Es wird die Verände­ rung der gemessenen Armut durch die Sozialhi lfe und anderer einkom­ mensabhängiger Transfers in drei Ländern untersucht. Die drei Länder sind Deutschland, Schweden und das Vereinigte Königreich. Die Auswahl dieser Länder ist nicht zufäll ig, steht doch jedes für einen bestimmten Typ von Sozialstaat in der von Esping­ Anderson entwickelten Typologie: Deutschland für das konservativ-kor­ poratistische System, Schweden für den sozialdemokratischen Typ und das Vereinigte Königreich für einen l iberalen Wohlfahrtsstaat. ln den einleitenden Kapiteln wird das in der Untersuchu ng verwendete Konzept von Armut dargelegt und dessen Verwendung beg ründet. Armut wird hier als Einkommensarmut behandelt, wobei rel ative Armuts­ schranken, nämlich 40%, 50% und 60% des jeweiligen Medianeinkom­ mens, verwendet werden. Armut aus­ schließlich mit der Höhe des Einkom­ mens zu bestimmen , ist sicher nicht ideal, aber es gibt darüber Datensät­ ze, die einen Vergleich zwischen meh­ reren Ländern erlauben. Es ist eben­ falls nicht ideal, Armut nur über relati­ ve Schranken zu bestim men, da dabei Ungleichheit mit Armut identifiziert wird. Aber auch dabei gilt, dass es leichter ist mehrere Länder auf diese Weise zu vergleichen, da man von den Problemen der Vergleichbarkeit von Einkommen und Preisen zwi­ schen unterschiedlichen Ökonomien mit u nterschiedlichen Währungen absehen kann. Die Untersuchungen in dieser Arbeit stützen sich auf Datensätze der Luxe mburg l ncome Studies. Das erste Ergebnis ist etwas über­ raschend : Armut, gemessen mit der Armutsquote, ist in Deutschland nied­ riger als in den beiden anderen Län­ dern, und dies bei jeder der drei 317