29. Jahrgang (2003), Heft 2 Verteilungsprobleme in der Transformation Osteuropas Rezension von: Hans G. Nutzinger (Hrsg.), Verteilungsprobleme im Trans­ formationsprozess, Duncker & Humblot, Berlin 2002, 238 Seiten, € 58. Der vorliegende Sammelband ent­ hält die überarbeiteten Fassungen der Referate sowie die schriftl iche Ausar­ beitung einiger Korreferate und Kom­ mentare zum Rahmenthema des Aus­ schusses für Wirtschaftssysteme im Verein für Socialpolitik, die auf seiner Jahrestagung 2000 in Potsdam gehal­ ten wurden. Bewusst war der Beg riff "Verteilungsprobleme" von den Aus­ schussmitgl iedern so weit gefasst worden, dass er auch die Verteilung politischer Entscheidungskompetenz - im Beitrag von Eli M. Salzbarger und Stefan Voigt - und die Verteilung von Entscheidungsmacht im U nterneh­ men im Hinblick auf die Massenpri­ vatisierungen - im Beitrag von Jürgen G. Backhaus und Frank H. Stephen - u mfasst. Jürgen G. Backhaus kom­ mentiert Salzbargers und Voigts Ana­ lyse der Verteilung politischer Ent­ scheidungskompetenz auf der Basis von Joseph A. Schumpeters "Theorie der wirtschaftl ichen Entwicklung". Salzbarger und Voigt begründen in i hrer Analyse die Länderauswahl damit, dass vier der u ntersuchten Länder als konsolidierte Demokratien gelten (Tschechische Republik, Est­ land, U ngarn und Polen ) , während vier andere als Transformationsländer bezeichnet werden (Bulgarien, Rumä­ nien, Russland und die Slowakei) . Wirtschaft und Gesellschaft Diese Einteilung wird - zumi ndest partiell - auch von i h rer Analyse reflektiert. Gegenstand ihrer Untersu­ chung war die allgemeine Frage, ob es möglich ist, die Varianz in der Struktur von Behörden bzw. Agentu­ ren und den Grad ihrer Unabhängig­ keit über die analysierten Länder zu erklären, indem die Autoren die kon­ stitutionellen Kompetenzen und Res­ triktionen der Organe analysieren, die über die Kompetenz verfügen, Kom­ petenzen zu delegieren . Zu erklären ist also die Gründung ei ner unabhän­ gigen Behörde und der Transfer von Kompetenz an diese Behörde. Ihre all­ gemeine Hypothese lautet, dass sowohl die gewählte Delegationsart als auch der Delegationsumfang mit den zugrunde liegenden Verfassungs­ strukturen erklärt werden können. Die Tschechische Republik und Est­ land haben danach das höchste Maß sowohl an inländischer als auch an internationaler Delegation: die Slowa­ kei kann auch zu dieser Gru ppe gezählt werden. Russland und Rumä­ nien haben jeweils den niedrigsten Delegationsumfang. Die vorläufigen Forsch u ngsergebnisse der beiden Autoren zeigen, dass Ungarn und Polen sich in einer mittleren Gruppe befinden, während B ulgarien ein hohes Maß an internationaler Delega­ tion mit einem hohen Maß an geldpo­ litischer Delegation mit einem gerin­ gen Maß an das Verfassungsgericht kombiniert. Jürgen G. Backhaus führt in seinem Kommentar zum Referat von Voigt und Salzbarger aus, dass auch die Frage des Wirtschaftsstils im Trans­ formationsprozess offen ist. Es ist zudem keineswegs eine ausgemachte Sache, dass, wenn m a n in Wirt­ schaftsstuten denkt, von einer gege- 329