29. Jahrgang (2003), Heft 2 Konsum und Wachstum Rezension von: Davide Gualerzi, Con­ surnption and Growth. Recovery and Structural Change in the US Economy, Edward Elgar, Cheltenham 2001 , XXI+220 Seiten, f 5 5 . Bei dem vorliegenden Band handelt es sich um eine theoretische und empirische Untersuchung über die wechselseitigen Einflüsse zwischen Konsum und Wachstum in hoch ent­ wickelten Marktwirtschaften . ln Gua­ lerzis Ansatz bestimmen diese I nter­ aktionen das Muster strukturel len Wandels und den langfristigen Kurs wirtschaftl ichen Wachstums. Das langfristige Wachstum der effektiven Nachfrage hängt ab vom endogenen Prozess der Marktschaf­ fung. Die Theorie der Nachfrage, um die es hier geht, ist also nicht unab­ hängig von der Theorie der I nvestitio­ nen und der Einkommensentstehung, sondern eine Theorie der Nachfrage, die konsistent ist mit der Analyse des Wachstumsprozesses. Im Mittelpunkt des I nteresses steht somit eine Theorie des Nachfrage­ wachstums. Diese Theorie m uss sowohl erklären können , wie neue Märkte du rch den Prozess des Wachstums endogen geschaffen wer­ den, als auch, wie sich Konsummus­ ter entwickeln. "ln particular it must explain how spending contributes to and follows from investment deci­ sions, not just how income is allocated and consum ption decisions are made." (S. XI I ) Änderungen in der Konsumsphäre stimulieren Investitionen, und l nvesti- Wirtschaft und Gesellschaft tionen tragen zur Schaffung neuer Märkte bei, nicht nur, weil sie zusätzli­ ches Einkommen generieren, sondern auch , weil sie strukturellen Wandel hervorrufen. " Investment determines structural change and market creation and then it is sustained by market expansion and structural evolution." (S. XI I) Die Entwicklung der Konsum­ sphäre, die sowohl Unternehmen als auch sozial eingebettete Konsumen­ ten einschließt, bestim mt folgl ich die Bedingungen für die Realisierung des Wachstumspotenzials ei ner Volkswirt­ schaft. Gualerzis Annäherung an das Prob­ lem wirtschaftlichen Wachstums in hoch entwickelten Wirtschaften ist innovativ. Sein Ansatz bietet eine neue Perspektive auf die wachstums­ theoretische Debatte. I nsbesondere vertritt der Autor den Standpunkt, dass die Untersuchung von Konsum­ mustern bei der theoretischen und empirischen Analyse von Wachstums­ prozessen eine zentrale Rolle spielen sollte. Das Hauptthema der Arbeit sind die Beziehungen zwischen Konsum und Wachstum im Rahmen einer langfristi­ gen Theorie effektiver Nachfrage. Schumpeters Ü berlegungen zu wirt­ schaftlicher Entwicklung dienen Gua­ lerzi als Ausgangspunkt. ln der Folge verbindet er Schumpeters Einsichten über die Triebkräfte technischer, orga­ nisatorischer und Marktinnovationen mit einer langfristigen Interpretation von Keynes' Prinzip der effektiven Nachfrage. Im Rahmen eines ein­ drucksvollen und ergiebigen Literatur­ überbl icks zeigt der Autor, welche Rolle die effektive Nachfrage in ver­ schiedenen Ansätzen der mikro- und der makroökonomischen Konsumthe­ orie sowie der Theorie strukturellen Wandels spielt. Das Ergebnis sind die 333